Old Shit: Der Limbo-König von Oer-Erkenschwick

Alle Kinder haben die märchenhafte Kraft, sich in
alles zu verwandeln, was immer sie sich wünschen.
Jean Cocteau (1889–1963)
 
Kinder sind eine Brücke zum Himmel.
Iranisches Sprichwort
 
Es ist ein wirklich schöner Samstagnachmittag.
Der Himmel strahlt in seinem prachtvollsten Blau und nur eine vereinzelte Wolke schwebt träge vor sich hin. Überall bilden sich erste zarte Knospen und lassen erahnen, dass der Sommer sich mit großen Schritten nähert.
Wir befinden uns in Oer-Erkenschwick.
Um genau zu sein, in der Schillerstraße.
Es ist eine typische, gutbürgerliche deutsche Wohngegend.
Jedes Haus ist von einer Mauer, einem Zaun oder einer sauber geschnittenen Hecke umgeben, als fürchte man sich vor den Blicken der Nachbarn.
Von den Grundstücken sind oft nur noch die Garageneinfahrten zu sehen, wo meist an Samstagen das Auto mit deutscher Gründlichkeit von der Felge bis zur Antenne gereinigt, poliert und liebevoll gestreichelt wird.
Ab und an steht ein verloren wirkender Gartenzwerg vor solch einer Einfahrt und nährt die Zweifel am deutschen Geschmack. Nur das laute Geschrei von einigen spielenden Kindern stört die fast idyllische Ruhe – von den Geräuschen her könnte man glatt vermuten, dass sie gerade abgestochen werden –, aber irgendwie scheint es keinen zu stören.
 
Es ist immer wieder erstaunlich, zu beobachten, wie das Wetter sich auf die Laune der Menschen auswirkt. Selbst Herr Ostersand, ein ehemaliger Major der Bundeswehr, der normalerweise mit einem Fernglas und einem Schreibblock bewaffnet die Autokennzeichen von Falschparkern und vermeintlichen Rasern notiert, sitzt auf der Veranda, tief versunken in seinem Ohrensessel und genießt die Sonnenstrahlen, die seinen knochigen Körper umgarnen. Sogar das Kratzen seines rechten Fußes – der sich zusammen mit seinem rechten Schienbein und einem Teil seines Knies, in einem Radius von dreißig Metern verteilt, auf einer Wiese in der Nähe von Pristina befindet – ist heute nicht ganz so schlimm.
 
Ein paar Häuser weiter versucht Jens Heinemann gerade krampfhaft, ein Seil zwischen zwei Kirschbäumen zu spannen. Jens ist dreizehn Jahre alt, von dürrer Gestalt und mit einer dunklen fülligen Haarpracht behaftet, die mehr Wirbel beherbergt als ein Flokatiteppich.
Er trägt eine Fielmann-Brille, Modell Harry Potter, sowie das dazu passende T-Shirt und er hat in dem Augenblick einen ziemlich dämlichen Gesichtsausdruck, als er merkt, dass die Schnur ganze
dreißig Zentimeter zu kurz ist.
Regungslos steht er dort und starrt auf den Baum, als wolle er ihn durch die Kraft seines Geistes
bewegen.Wer ihn besser kennt, weiß, dass er nachdenkt.
Oberflächlich betrachtet bekommt man leicht den Eindruck, Jens sei etwas beschränkt.
Ist er auch.
Was aber nicht bedeutet, dass er dumm ist. Er denkt halt nur ein wenig langsamer.
Wenn wir davon ausgehen, dass Gedanken wie einzelne Puzzleteile zusammengesetzt ein Ganzes
ergeben, so sind es bei Jens immer ein paar Teile mehr als bei den anderen.
Während er dort steht und nachdenkt, telefoniert seine Mutter mit Frau Borchers – ihres Zeichens
Schriftführerin des Bridgeclubs und überzeugte Pelzträgerin – und schwärmt von den Vorzügen von Fruchtenzym-Peelings.
Wer Frau Heinemann kennt, weiß, dass dieses Thema nur ein Vorgeplänkel ist, eine Art Tratsch-Aufwärmtraining, bis die wirklich wichtigen Neuigkeiten ausgesprochen werden.
Der Thailand-Urlaub von Herrn Dorner, ledig, aus der Goethestraße.
Warum kinderlose Frauen die Schönheit einer Geburt gar nicht nachvollziehen können.
Ob Frau Hutmacher ihre schlanke Figur dem Training und der richtigen Ehrnährung oder, wie
vermutet wird, der geschickten Hand eines Schönheitschirurgen zu verdanken hat.
Warum Barbara es einfach nicht schafft, von ihrem widerlichen Ehemann wegzukommen.
Und so weiter. Und so weiter.
Britta Heinemann liebt zwei Sachen über alles:
Talk-Shows und Tratschen.
Sie gehört zu der Sorte Frau, der man besser kein Geheimnis anvertraut.
Und das weiß auch ihr Mann.
Bernd Heinemann vögelt gerade ein junges Ding, das vor wenigen Wochen die Ausbildung als Anwaltsgehilfin in seiner Kanzlei begonnen hat. Sie liegen beide auf dem großen Schreibtisch aus Erlenholz, den Herr Heinemann zum Vierzigsten von seiner Frau geschenkt bekommen hat. Sein Gesicht im Busen der jungen Frau vergraben, verspürt er keinerlei Gewissensbisse. Die kommen erst später, aber mittlerweile kann er damit ganz gut umgehen.
 
Aber kehren wir zurück in die Schillerstraße.
Zurück zu Jens.
Das Problem mit der Schnur hat er unter Mithilfe seiner Schnürsenkel gelöst.
Während um ihn herum das Leben tobt, ist Jens tief in seine eigene Welt versunken.
Dort riecht es nach gebratenem Apfel, Zimt und Gewürzen.
Vom Meer kommt eine zarte Brise her über und erfüllt die Luft mit einem leicht salzigen
Hauch.
Ein Tohuwabohu von Gelächter, exotischen Gesängen und kreischenden Anfeuerungsrufen preschen auf Jens ein. Aber er ist ein Profi und bleibt cool.
Er lässt seinen Blick durch die Tribünen der Arena schweifen, und obwohl er sich nichts anmerken
lässt, ist er wirklich beeindruckt von der gewaltigen Zuschauermenge, die sich zum diesjährigen
Limbo-Wettbewerb eingefunden hat.
Jens ist erstaunt, wie viele bekannte Gesichter er in der Menge sieht.
Dort, gleich neben dem Imbissstand, steht Pippi Langstrumpf und unterhält sich mit Justus Jonas
von den drei Fragezeichen. Nicht weit von ihnen sitzt eine ganze Horde Kinder mit den typischen Schulanzügen von Hogwarts und ein paar Ränge weiter unten stehen die Olchis.
Alle sind sie gekommen, um zu sehen, wie die besten und beweglichsten Limboathleten der Welt ihre Künste demonstrieren und um die Kristalltrophäe kämpfen, alle bis auf seine Eltern.
 
Plötzlich setzt lautes Trommeln ein, gefolgt von einem Chor von Trompeten.
Alle Blicke richten sich auf die Ehrentribüne und ein Raunen geht durch das Publikum, als König
Artus erscheint. In einem purpurnen Umhang gehüllt, sein langer schneeweißer Bart im Rhythmus
seiner Schritte baumelnd, bewegt er sich zum Rand der balkonartigen Tribüne, wo er stehen bleibt, seine Arme in den Himmel hebt und mit tiefer, ehrfurchtgebietender Stimme verkündet:
„Der Wettbewerb ist eröffnet!“
Die Menge bricht in einen ohrenbetäubenden Jubel aus. Konfetti wirbelt durch die Luft und bildet
ein buntes Farbenmeer. Eine Band fängt an, die Titelmelodie vom „A-Team“ zu spielen, und Jens
spürt, wie sich seine Nackenhaare aufrichten und er eine Gänsehaut bekommt.
In der Mitte der Arena wird gerade von emsigen Kobolden die Limbostange aufgebaut.
Jens, der jetzt langsam die Anspannung fühlt, sieht sich prüfend seine Gegner an.
Sechzig Personen treten an, aber Jens weiß, dass sich schnell die Spreu vom Weizen trennen wird
und in der entscheidenden Endrunde höchstens fünf Wettbewerbsteilnehmer übrig bleiben werden. Er rechnet sich gute Chancen aus und auf den ersten Blick sieht er nur eine Gegnerin, die ihm gefährlich werden könnte: Lara Croft, Abenteurerin, Archäologin und begabte Limbotänzerin. Aber er weiß auch, dass bei so einer Veranstaltung viel passieren kann und man niemanden unterschätzen darf.
 
Die Regeln sind leicht erklärt.
Die Athleten müssen versuchen, unter der Stange hervorzukommen, ohne sie zu Fall zu bringen.
Der Oberkörper wird dabei nach hinten gebogen und die Füße müssen sich parallel zum Boden bewegen. Die Stange wird nach jeder Runde um fünf Zentimeter nach unten verschoben. Wer die Stange umwirft oder mit dem Rücken den Boden berührt, scheidet aus.
Während Jens sich gerade mit Dehnübungen aufwärmt, versuchen sich schon die ersten Wettbewerber.
Mit einem Auge beobachtet er das Geschehen, studiert die Technik seiner Gegner.
Als er an der Reihe ist, nimmt der Applaus um einige Dezibel zu. Er bedankt sich artig bei seinen Fans und nimmt die erste Hürde des Wettkampfes mit Bravour.
Auch die nächsten Runden sind kein Problem für Jens. Souverän meistert er jede neue Tiefe, während die Anzahl der anderen Teilnehmer rasch abnimmt.
Die Stimmung in der Arena wird mit jedem neuen Durchlauf ekstatischer.
Wie Jens erwartet hat, sind nach der zehnten Runde nur noch drei Teilnehmer übrig.
Jens, Lara Croft, die bisher fehlerfrei und mit erstaunlicher Gewandtheit das Turnier gemeistert hat, und ein Zwerg namens Allgunder, der aufgrund seiner Größe gewisse Vorteile mitbringt.
Die Vorbereitungen für die Endrunde sind in vollem Gange.
Die Band spielt im Hintergrund exotische Rhythmen, während riesige Menschenmengen sich vor den Imbissbuden sammeln. Jens sucht sich eine ruhige Ecke und knabbert unmotiviert an einem Schokokeks rum. Er würde sich gerne etwas ablenken, um nicht zu verkrampft das Finale anzugehen, kann aber die Augen nicht vom Zentrum der Arena lassen, in der die Turnierstange gerade gereinigt und neu aufgebaut wird.
Er riskiert einen Blick zu König Artus, der sich gerade angeregt mit einer
wunderhübschen Prinzessin unterhält.
Er wünschte sich, er könnte auch ein König sein.
 
Fünf kaugummiartige Minuten vergehen, zäh und nach Jens Empfinden langgezogen, wie es sonst
nur Schultage sind.
Erneuter Trommelwirbel, blecherne Trompeten und Jubel.
Jetzt geht’s los.
Die Limbostange wird mit einer schwarzen Flüssigkeit überzogen und in Brand gesetzt.
Lara Croft ist als erste dran.
Mit ernster Miene nähert sie sich dem Limbostab.
Ihr Körper verbiegt sich wie ein Bambusrohr im Wind und ganz behutsam scheint sie am Boden entlangzugleiten, ihren Kopf nur eine Haaresbreite unter den Flammen herziehend.
Das war verdammt knapp, aber sie hat es geschafft.
Jetzt ist Jens an der Reihe.
Er stellt sich vor die brennende Stange und holt dreimal tief Luft.
Die Zeit scheint sich zu dehnen und es kommt Jens so vor, als würde er sich selbst von oben herab
beobachten. Die Hitze des Feuers nimmt er kaum wahr und auch der Applaus lässt ihn kalt.
Erst, als er auf der anderen Seite des Sportgeräts steht, spürt er die Erleichterung und den Stolz. Er
reißt die Hände in die Luft und winkt den Zuschauern.
Als nächster ist der Zwerg dran.
Klein ist er wirklich, allerdings aufgrund seines kräftigen Körpers nicht sehr gelenkig.
Das wird ihm auch zum Verhängnis, als er, wie ein Sack Kartoffeln, einfach nach hinten kippt. Großes Gelächter geht durch die Reihen und Allgunder verschwindet mit rot glühendem Kopf in den Katakomben der Arena.
Das Publikum beruhigt sich und als Lara sich für den nächsten Durchlauf bereit macht, legt sich eine unheimliche Stille über die Sportstätte. Man kann die Spannung schon fast greifen.
Dann passiert etwas, mit dem Jens nicht gerechnet hat: Lara, die bisher einen steinharten und
selbstsicheren Eindruck machte, verschätzt sich und stößt mit ihrer rechten Schulter gegen die Stange. Sie erschrickt, zuckt kurz und fällt hin.
Totenstille.
Nur leises Tuscheln ist zu hören.
Lara kniet auf dem Boden, die Hände vor das Gesicht haltend und schluchzend.
Jens sieht große schimmernde Tränen zwischen ihren Fingern gleiten.
Sie tut ihm Leid und er fängt an zu klatschen.
Nach und nach stehen die Zuschauer auf und tun es ihm gleich.
Lara rafft sich auf und verbeugt sich in alle Richtungen.
Die Tränen sind verschwunden und sie lächelt verlegen.
Der Beifall zieht sich minutenlang hin.
 
Als er allmählich abklingt, kommt Lara zu Jens, umarmt ihn und wünscht ihm viel Glück.
Falls es Jens beim nächsten Anlauf auch nicht schaffen sollte, wird es dieses Jahr keinen Limbomeister geben. Das klingt hart, so sind aber die Regeln. Nur wer besser ist als alle anderen, hat die Kristalltrophäe verdient.
Jens schließt die Augen und versucht den Druck und die Anspannung zu vergessen.
Er leert seinen Geist und konzentriert sich vollkommen auf die Aufgabe, die vor ihm liegt.
In Gedanken führt er jede Bewegung im Voraus schon einmal durch.
Er ist so weit und schreitet zur Tat.
Er beugt sich nach hinten und nähert sich der Stange.
Sein Rücken schmerzt, aber da muss er jetzt durch.
Die Flammen streifen sein Gesicht.
Er dreht sich leicht zur Seite und berührt dabei den Stab.
Die Menge schreit laut auf.
Jens hält den Atem zurück und bleibt regungslos stehen.
Das Ding wackelt, bleibt aber liegen.
Ganz vorsichtig setzt er sich wieder in Bewegung.
So, der Körper ist schon auf der anderen Seite, jetzt muss Jens sich nur noch aufrichten.
Ein letzter Kraftakt und er steht.
Die Begeisterung des Publikums ist kaum noch im Zaum zu halten
Die bunte Schar von Kindern, Zeichentrick- und seltsamen Märchenfiguren stürmt
den Innenhof der Arena und es dauert keine Minute, da wird Jens von Hunderten von Armen in die Luft gehoben.
Er wird zur Ehrentribüne gebracht, wo König Artus ihm die Trophäe überreicht.
Jens nimmt sie mit stolz geschwellter Brust entgegen und stemmt sie unter tosendem Beifall zum Himmel.
 
Es ist wirklich ein schöner Abend.
Die untergehende Sonne taucht die Schillerstraße in ein feuriges Orange und der Geruch von frisch
gegrilltem Fleisch weht durch die laue Abendluft.
Major Ostersand macht sich für seinen monatlichen Freudenhausbesuch fertig.
Seine Prothese hat er gewienert und mit Parfum eingerieben, den schönen dunkelblauen Anzug gebügelt und jetzt steht er vor dem Spiegel und verteilt die paar Haare, die er noch hat, so, dass man möglichst wenig Haut auf seinem Kopf sieht.
Bei Heinemanns ist bald Essenszeit angesagt.
Während Vater Heinemann sich die Börsenkurse im Handelsblatt zu Gemüte führt, steht Britta Heinemann in der Küche und brät Rinderleber.
Obwohl es erst sieben Uhr ist, liegt Jens bereits im Bett. Er hat beim Spielen im Garten eine teure
Vase aus Kristall zerbrochen und muss zur Strafe ohne Abendessen in die Kiste.
Es stört ihn aber nicht besonders, da er eh keine Leber mag.
Als er seiner Mutter von seinem triumphalen
Erfolg bei der Limbomeisterschaft erzählen wollte, winkte sie nur ab und sagte genervt:
„Ja, ja, du bist der Limbo-König von Oer-Erkenschwick!“
 
(Diese Geschichte findet ihr übrigens auch in meinem Buch SACKAFFEN. Mehr dazu gibt es hier: http://www.lektora.de/shop/sackaffen/)
 

Wir müssen Montag alle wieder arbeiten

(Ja, ich war selber mal Fußballer … oder sowas ähnliches.)

Wer denkt, dass in der DFB-Kreisklasse der Tiefpunkt des deutschen Fußballs erreicht ist, der sollte mal einen Blick auf die Niederungen der Betriebssportligen werfen.
Hier findet man den Bodensatz des deutschen Kickertums, in dem ganze Mannschaften weniger fußballerisches Talent besitzen, als Michael Ballacks Ohrläppchen.
Ich kann das beurteilen.
Ich habe es erlebt.
Ich war dabei.
Ich habe zu ihnen gehört.
In dieser Zeit habe ich Dinge gesehen, die für mich als durchschnittlich sportbegabten Menschen nur schwer vorstellbar waren. Dinge, die mich an den klaren Verstand unseres Schöpfers – dem heiligen Fußballgott – zweifeln ließen.
Ich habe Menschen gesehen, die laufend so schnell waren, wie andere gehend.
Sportsfreunde, deren Leibesumfang so gewaltig war, dass sogar Rainer Calmund dagegen aussah wie Karl Lagerfeld.
Möchtegern Fußballer mit dem Ballgefühl einer sieben Tonnen Abrissbirne.

Samstag für Samstag. Egal ob es schneite, regnete oder brütend heiß war, fanden wir uns untalentierte aber tapfere Fußballrecken auf einem der Ascheplätze unseres Stadtbezirkes ein. Wir lieferten uns Duelle gegen Mannschaften die Namen trugen wie: Palette Oppenheim, Reinigungsdienst Eschbach und Söhne, Hackedicht 92 oder JVA Ostheim – es waren übrigens die Wärter und nicht die Insassen gegen die wir antraten.
Auf Außenstehende musste das, was sich auf dem Platz abspielte, einen sehr befremdlichen Eindruck gemacht haben. Zweiundzwanzig Bewegungslegasteniker, die hinter einem Ball herliefen, den sie oftmals nur durch Glück unter Kontrolle bekamen. Ein Ballet des Grauens, mit behaarten, dicken und schwitzenden Männer als Primaballerinas.
Doch manchmal, in ganz seltenen Fällen, konnte man sogar richtigen Fußball auf dem Feld beobachten: ein Hammerschuss mitten in den Winkel, ein gelungenes Dribbling, einen sauber gespielten Doppelpass, eine punktgenaue Flanke. In diesen außergewöhnlichen Momenten, in denen im Marianengraben des deutschen Fußballs, plötzlich so etwas wie Spielkultur Einzug erhielt, spürte man förmlich eine Welle des Stolzes über den Platz rollen. Es waren diese Augenblicke, in denen allen Beteiligten klar wurde, dass auch in der untersten Betriebssportklasse guter Fußball gespielt wurde. Wenn auch meist durch Zufall.

Schon meine Rekrutierung ins Betriebsportteam hätte mich stutzig machen sollen. Als damals unser Lagermeister auf mich zurollte und mich fragte:
“Sach mah Junge, mit den O-Beinen kannste doch bestimmt Fußball spielen! Willste nicht zu uns ins Team?“, hätte ich niemals gedacht, dass das der Anfang einer Jahre andauernden Hass-Liebe werden sollte.
Eine Woche später stand ich auf dem Ascheplatz Regenshagen und trottete neben unserem sprintenden Rechtsaußen her und wunderte mich darüber, dass unser Lagermeister-Spieler-Trainer mit seinem Gewicht überhaupt in der Lage war zu laufen, ohne das seine Knie einfach durchbrachen.
Dafür aber konnte er mit einem umfassenden Fußballwissen überzeugen, dass er sich durch das stundenlange Studium des Kultklassikers „Fußballtraining leicht gemacht“ aus dem Jahre 1976 angeeignet hatte. Den Erkenntnisse des modernen Fußballs um Trotz spielten wir daher noch mit Libero, Vorstopper und Flügelläufer.
Auch bei seinen Ansprachen vor dem Spiel und in der Halbzeit blitze das taktische Genie dieses Mannes durch, wenn er uns mit Anweisungen wie „flach spielen, hoch gewinnen“, „ ihr müsst fester passen“ oder „Bernd, du bist schwer, du gehst in den Sturm“ an seiner Fußballweisheit teilhaben lies.

Heute bin ich in einem Alter, in dem man beim Fußball dahin gestellt wird, in dem man wenigsten kaputt machen kann.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich den Ball so sehr liebe, dass ich ihn nur unter Androhung von Gewalt abgebe.
Aber irgendwie falle ich in unserer Mannschaft auch nicht außerordentlich auf, weil alle irgendwie als Fußball-Legastheniker durchgehen.
So wie unser Stürmer, der nur dann Hütten macht, wenn er einen Pegel hat, bei denen andere nur noch in der Lage sind in der Foetus-Stellung dem Alkohol abzuschwören.
Oder unser Mittelfeld-Pitbull, der dermaßen an Fußball-Tourette leidet, dass er sich sogar dann schon aufregt, wenn sein Gegner die gleiche Luft atmet wie er. Aber auch bei ihm stimmt das alte Sprichwort: Hunde die bellen, beißen nicht.
Auf der anderen Seite im Mittelfeld spielt unser jüngster Mann, der bei jeder Ballannahme einen Auszug aus dem sterbenden Schwan vorführt. Und jedes Mal wenn ein Gegner ihm zu Nahe kommt, wirft er sich vor Angst zu Boden und dabei ist er noch nicht mal Italiener.
Angst bekommt man in letzter Zeit vor allem vor unserem Torwart, der gelegentlich abgeht wie ein tasmanischer Teufel, dem man drei Liter Aufputschmittel in die Adern gepumpt hat.
Dort wo er hin grätscht, wächst nie wieder Gras … und auch keine Körperbehaarung.
Vor ihm steht der Libero. Er genauso alt wie die Bezeichnung dieser Position und so groß, das sogar ein Schlumpf ihm auf dem Kopf spucken kann. Jedes Mal wenn unser Methusalem vor einem Spiel den Platz betritt, muss ich an einen Hollywood-Klassiker denken: DIE MUMIE KEHRT ZURÜCK – Untertitel: Opa will es nochmal wissen.
Um die Chaos-Truppe zu komplettieren haben wir noch einen Defensiven-Mittelfeld-Stürmer, der stets die Flucht nach vorne sucht.
Einen halben Italiener, der nur dann kommt, wenn es ums saufen geht und auf dem Spielfeld seine Gegner unter Druck setzt … mit dem Tempo eines Faultiers.
Einen ganzen Italiener, den wir nur mitspielen lassen, weil seine Vorfahren uns im Krieg geholfen haben.
Und obwohl es manchmal ein bisschen so anmutet, als hätten wir Samstags Morgen alle für ein paar Stunden Ausgang aus dem Heim, so kann man nicht anders als diesen unvermögenden Haufen zu mögen.

Mein allererstes Betriebssportfußballspiel ging übrigens 9:1 verloren.
Dafür lernte ich schon bei meinem ersten Einsatz die goldene Regel des Betriebssports, als mich ein älterer Herr mit eine hängender Plauze im Dribbling nass machte und ich mir nicht anders helfen konnte als ihn zu faulen. Er stand behände auf und half mir auf die Beine. Dabei sagte er einen Spruch, den ich seitdem so oder in ähnlicher Form in beinahe jedem meiner Betriebssport-Spiele hören sollte: „Ruhig Brauner, wir müssen Montag alle wieder arbeiten!“.

Heimspiel

(Passend zur Fußball-WM, hier ein uralter Text von mir – wer Fehler findet, darf sie behalten – der beleuchtet, warum ich auch ein Fußball-Nerd bin.)

Mir ist kein Umfeld bekannt, in dem sich Freud und Leid so nahe stehen, wie bei einem Fußballspiel. Dabei ist es egal, ob man selber auf dem Feld steht, im Stadion sitzt, oder zu Hause vor dem Fernseher mitfiebert. Es ist dieses Wechselbad der Gefühle, das diesen Sport für mich zu etwas besonderem macht, denn wo sonst bekommt man schon 90 Minuten geboten, in denen die Stimmungslage so oft wechseln kann; von euphorischer Freude bis hin zu tiefer Traurigkeit, im Fußball ist einfach alles drin.
Am intensivsten fühle ich Fußball, wenn ich im Stadion bin und meine Mannschaft – den Wuppertaler SV – anfeuern kann. Dabei achten wir stets – wir bedeutet mein Leidensgenosse Tim und ich -, dass wir in der Nähe des Fanblocks stehen um etwas von der Stimmung abzubekommen, aber immer noch so weit weg, dass man nicht dem pöbelnden Fußballvolk zugerechnet wird. Dort stehen wir also, während die Jungs sich auf dem Rasen schon mal warm machen, und das Kribbeln wird mit jeder Minute, die wir uns dem Anstoß nähern intensiver. Den Blick haben wir dabei immer auf den Block der Gegner gerichtet, der sich in der 3. Liga irgendwo zwischen „eine mitgereiste Spielermutter“ – Dortmund Amateure – und „Tobender Mob“ – Dünamö Dresden – bewegt.
Dann, wenn das Erwartungskribbeln so groß ist, dass man die Beine nicht mehr still halten kann, kommt die Mannschaftsaufstellung und damit auch die Möglichkeit seine Stimme für die nächsten 90 Minuten aufzuwärmen.

Der Anpfiff.
Das Spiel beginnt und schnell merken wir, dass wir unserem Gegner überlegen sind.
Angespannte Euphorie, Vorfreude auf ein mögliches Tor, Erleichterung.
Ein Pfostenschuss unseres Stürmers bringt uns in Wallung, lässt uns unser Gesichter in die Hände vergraben. Enttäuschung, aber auch Zuversicht.
Nächste Chance, ein Flachschuss aus 20 Metern – der gegnerische Torwart hält.
Wieder greift man sich an den Kopf, möchte sich vor Wut die Haare ausreißen.
Irgendwann muss der verfluchte Ball doch ins Tor landen!
Dann kommt ein Konter der Gegner. Sauber vorgetragen, ein Doppelpass reicht, um unsere Abwehr auszuspielen. Schuss. Unser Torwart macht sich lang … vergebens. Tor.
Es ist wie ein Dolch aus Eis, der in dein Herz gerammt wird und dein Inneres gefrieren lässt.
Der Torschütze reißt die Arme in die Luft und rennt zum Gästeblock, um sich feiern zu lassen. In meinem erkalteten Herz spüre ich für einen Augenblick eine tiefe Abneigung, ja fast sogar Hass für diese Flachwichser, die jetzt feiern, wo wir doch eigentlich feiern sollten.
Dann kommt erst die Enttäuschung und dann die Gewissheit: jetzt stellen die sich hinten rein.
Man trotzt und erwartet eine Trotzhaltung seiner Mannschaft, doch die ist verunsichert, „agiert unglücklich“ und bringt es bis zur Halbzeit zu keiner nennenswerten Tormöglichkeit.
Niedergeschlagen setzt man sich auf seinen Hintern und muntert sich mit zuversichtlichen Ausreden auf.
Anpfiff zur zweiten Halbzeit.
Man wankelmutet irgendwo zwischen Hoffnung, Trauer und Unzufriedenheit, während die Mannschaften den Rasen in einen sportlichen Kriegsschauplatz verwandeln.

Das Spiel nimmt an Härte zu, so wie die Härte in uns, gegenüber dem Schiedsrichter, den gegnerischen Fans und sogar der eigenen Mannschaft.
Ein Pass unseres Mittelfeldrentners auf den Stürmer und der ist durch, schießt den Ball ins Tor und jubelt, so wie 2000 Wuppertaler mit ihm.
So laut, dass keiner den Abseitspfiff des Schiedsrichters hören konnte.
Freude. Erkenntnis. Enttäuschung. Feindseligkeit.
Was folgt ist ein gellendes Pfeifkonzert und ich stimme in den
„Fußball-Mafia-DFB“-Rufen ein.

15 Minuten noch zu spielen und plötzlich fällt ein Tor für uns … aus dem Nichts.
Eine uninspirierte Flanke unseres Rechtsaußen prallt gegen das Schienenbein eines gegnerischen Verteidigers und wird ins Tor abgefälscht.
Jubel! Tim und ich reißen die Hände in die Luft, fallen uns in die Arme und hüpfen aufgeregt, wie tanzende Kinder.
Ein Augenblick reinen Glückes, der erwachsene Männer zu kreischenden Derwischen macht.
Ein Trockenorgasmus, der dich all deine Sorgen vergessen lässt.
Den Scheißjob, oder das Fehlen desselbigen.
Die kranke Mutter.
Die nörgelnde Frau.
Die beschissenen Schulnoten.
All das ist einen Augenblick lang unwichtig.
Was zählt ist der Ausgleich.
Es folgen 15 Minuten bangen.
Die eigene Mannschaft drängt auf das Führungstor, doch immer ist der Fuß eines Verteidigers, ein Pfosten oder ein Torwart im Weg.
Langsam wir die Zeit knapp, doch dann, in der Nachspielzeit passiert es:
unser Stürmer kommt in gegnerischen Sechszehner zu Fall.
Ein Pfiff. Alle Blicke richten sich auf den Schiedsrichter, der auf den Elfmeterpunkt zeigt.
Wieder Jubel, diesmal verhaltener, angespannter.
Hoffnung.
Der gefoulte Stürmer krallt sich den Ball.
Ein Raunen geht durch die Reihen.
Der gefoulte sollte niemals selbst schießen …
Er legt sich den Ball auf den Punkt, geht ein paar Schritte nach hinten und starrt auf das Leder.
Trippelnden Schrittes nimmt er Anlauf und versenkt die Kugel rechts unten ins Tor.
Das Publikum ist nicht mehr zu halten und es rollt eine Jubelwelle über die Tribüne, in der die Fans im Freudentaumel gar nicht bemerken, dass der Schiedsrichter das Spiel beendet hat.
Die Spieler lassen sich feiern und so langsam lichten sich die Ränge.
Auch wir machen uns auf dem Weg.
Im Gesicht ein Grinsen, dass wir den ganzen Tag mit uns tragen werden.
Einen ganzen Heimspiel-Samstag.

Die Liga der außergewöhnlichen Mitbewohner

Ich sitze am Frühstückstisch und beobachte meinen WG-Mitbewohner Jesus Christus, wie er krampfhaft versucht seinen Orangensaft in Wein zu verwandeln.
„Ist es nicht ein bisschen früh, um zu saufen“, frag ich ihn, doch er hebt nur seine Hand, um mir zu signalisieren die Fresse zu halten.
Es ist schon nicht einfach mit Jesus zusammenzuleben. Obwohl er eigentlich ein ganz umgänglicher Mitbewohner ist, nervt es doch ein wenig, dass seine zwölf besten Kumpel ständig bei uns rumhängen. Vor allem dieser Judas. Das scheint ein ziemlich unangenehmer Zeitgenosse zu sein.
Es klingelt an der Tür und da Jesus immer noch seinen Saft anstarrt, als sei es ein Nacktbild von Scarlett Johannson, gehe ich die Tür öffnen.
Da steht ein schwarzer Kerl in einer bunten afrikanischen Tracht mit einer Alditüte in der Hand.
„Mein Name ist Mboto Egbuna und ich bin der Prinz von Nigeria. In dieser Tüte habe ich Zweihunderttausend Dollar, die …“.
Ich schließe die Tür und setze mich wieder an den Frühstückstisch.
„Sag mal, Jesus. Hast du wieder auf Spammails geantwortet?“
Der Orangensaft des Heilands hat inzwischen eine unappetitliche braune Färbung angenommen.
„Mir war langweilig“, antwortet er, während er die braune Suppe zum Mund führt und das Gesicht verzieht.
„Bekommen wir dann heute wieder eine Ladung Viagras oder muss ich mich auf andere Überraschungen gefasst machen?“
Wieder klingelt es.
Missmutig tapse ich zur Tür und öffne sie.
„Hallo. Ich bin Gott und ich würde gerne mit ihnen über die Zeugen Jehovas reden“.
Ich wende mich der Küche zu und rufe:
„Jesus, es ist dein Vater!“
Während Jesus sich mit seinem Alten in sein Zimmer verzieht, räume ich den Frühstückstisch ab.
„Hey, Alter. Lass den Kaffee ruhig stehen, den trinke ich aus“.
Ich zucke zusammen und schaue an die Decke wo Spiderman rumhängt.
„Ich habe dir doch gesagt du sollst das lassen, Peter. Komm’ da runter“.
Mit einem eleganten Sprung sitzt er auf dem Stuhl, auf dem gerade noch Jesus saß.
„Wo ist eigentlich Darth Vader. Ich höre kein Röcheln aus seinem Zimmer“, frage ich, während ich die Wurst in den Kühlschrank einräume.
„Er ist in der Apotheke, sein Asthma-Zeug besorgen“, sagt Spiderman.
Kaum hat er das ausgesprochen, prustet er laut los und spuckt braune Brühe über den Tisch.
„Verdammte Scheiße, das ist ja gar kein Kaffee. Das schmeckt nach Orangensaft mit Wein!“
„Heute kommen übrigens die neuen Bewerber für Jesus Zimmer“, sage ich.
„Ach, Jesus zieht aus?“
„Er wird doch nächste Woche gekreuzigt“.
„Ach, Fuck! Das hatte ich ja ganz vergessen? Dann ist ja am Samstag Abschiedsparty? Habt ihr Jesus schon ein Geschenk gekauft“, will Spidey wissen.
„Er bekommt von uns eine Packung Snickers – falls es mal wieder länger dauert“.
Wieder klingelt es.
„Das könnte einer der Bewerber sein“, sage ich und öffne die Türe.
Da steht eine äußerst attraktive junge Dame in einer Leopardenleggins und einem bauchfreien Tanktopp.
Alles an ihr schreit nach „ich mache Dinge mit dir von denen du bisher noch nicht mal in deinen kühnsten sexuellen Fantasien geträumt hast, du Nerd“.
Ich lächele.
Dann redet sie.
„Hallo. Mein Name ist Juliana_X und ich habe erfahren, dass sie an einer Penisverlängerung interessiert sind“.
Ich knalle die Tür wieder zu.
„Hat Jesus wieder auf Spammails geantwortet“, fragt jemand über mir.
Ich zucke zusammen.
Die Tür öffnet sich und Darth Vader betritt die Wohnung.
(Hier Imperial March einfügen.)
Er blickt dabei mit verträumter Maske in das Treppenhaus.
„Wow, was für ein heißer Feger *röchel*“, sagt er und drückt mir die Apothekenumschau in die Hand.   
Auf dem Cover der Zeitschrift prangt ein Bild von Jesus mit der Unterschrift „Jesus Christus – Heiland oder Heilhand?“.
 
Ich werfe die Zeitung in den Altpapierkorb, setze mich ins Wohnzimmer und schalte den Fernseher an.
Das Bild plöppt auf. Bibel-TV.
Ich schalte auf RTL2 um und schaue eine Stunde lang dabei zu, wie eine vierzehnjährige Ghettobitch mit dem Intellekt einer Kaminfeuer-DVD versucht damit klar zu kommen, dass sie ganz überraschend Mutter geworden ist.
„Ey, der Marvin, der Spast, der hat voll so gesagt, da kann gar nichts passieren, wenn ich mir beim poppen die Nase zuhalte. Und isch so, ne, erzähl nicht! Und er so bla! Und isch so voll das Kind im Bauch gehabt. Aber isch hab’ den Legolas Pascal trotzdem total lieb“.
Innerlich weine ich.
„Also ich würde die auch poppen *röchel*“.
Ich schaue zu Darth Vader rüber der auf seinem Schaukelstuhl sitz. Er hat seine Hose bis zu den Knien runtergelassen.
„Was machst du da, Darth?“, frage ich entsetzt.
„Bleib mal locker. *röchel* Ich habe mir nur gerade den Lümmel mit Bepanthen eingekremt und ich will das Zeug nicht in der Unterbuchse haben.“
Ich versuche vom Thema abzulenken.
„Wie läuft es eigentlich mit deiner Jobsuche, Darth?“
„Es sieht ganz gut aus. *röchel* Die bei der FIFA haben großes Interesse an meinen Fähigkeiten.“
„Heißt das, dass ich die Metallteile wegschmeißen kann, die du seit zwei Jahren in unserem Keller sammelst, um dir einen neuen Todesstern zu bauen?“
„Warum sollte es bedeuten, dass ich meinen Lebenstraum aufgebe? *röchel*“
 
Das erinnert mich daran, wie ich mal nach Hause kam und Jabba the Hutt auf unserer Couch lag. Als ich Darth Vader zur Rede stellte, wurde mir klar, wie wichtig es ist sich klar auszudrücken.
„Sag mal, Darth. Warum liegt da Jabba the Hutt auf unserem Sofa?“
„Du hast doch gesagt, ich soll ‚nen Hutten klar machen. *röchel*“
„Nutten, Darth Vader, Nutten!“
 
Ich schalte auf RTL um und schaue eine Stunde lang dabei zu, wie die Geißens bei einem Besuch im Burj-al-Arab mehr Geld ausgeben als das Bruttosozialprodukt von Costa-Rica.
„Robert! Dat Klo hat mich von unten angespuckt!“
„Datt iss kein Pisspott, Carmen! Dat iss nen Bidett!“. 
Manchmal wäre ich auch gerne reich und doof.
Dann hätte ich immerhin eine eigene Wohnung.
 

Die Couchtitanen sind da!

Seit gestern gibt es bei Youtube ein neues Podcast-Projekt namens “Die Couchtitanen”.
Wir (André Wiesler, Fabian Mauruschat, Clemens Jäckel und ich) ziehen ein Thema aus dem Hut, das wir zehn Minuten lang diskutieren.
Was dabei rauskommt, kann man sich hier in der ersten Folge anhören. Das Thema lautet “Warum sind Nerds die besseren Menschen?”.
 
Wenn ihr Bock habt mit uns zu diskutieren, könnt ihr das auf unserer Facebook-Seite machen:

http://www.facebook.com/couchtitanen

Wir freuen uns über jede Meinungsäußerung!
 

 

The Return of the Wer suchet, der findet

Hier weitere zehn kommentierte schräge Google-Sucheinträge mit denen Menschen auf diesen Blog gelandet sind:
 
- wie man als nerd frauen ins bett bekommt
Werde Hotelbesitzer.
 
- wehrmachts mösen nackt
Auch Neonazis brauchen Wichsvorlagen. Allerdings dürfte der junge Mann (oder die junge Frau) schwer enttäuscht gewesen sein, als er herausfinden musste, dass bei der Wehrmacht weder Frauen noch Mösen tätig waren. Es gab zwar Wehrmachtshelferinnen (auch Blitzmädels genannt), von denen gibt es aber keine Nacktbilder im Internet. Das höchste der Gefühle sind Bikini-Bilder von Eva Braun, aber da kann man sich auch gleich auf Hitlers Schäferhündin Blondi einen runterholen.  
 
- samenerguss im taucheranzug
Ein häufig auftretendes Phänomen bei jungen Heranwachsenden. Auch ich hatte meinen ersten Samenerguss in einem Taucheranzug, dabei war ich noch niemals tauchen. Trotzdem habe ich in den ersten zwölf Jahren meines Lebens einen Neopren-Anzug tragen müssen. Aus Bequemlichkeit. Denn wo nichts reinkommt, fließt auch nichts raus. Jeden Sonntag haben meine Eltern den Anzug geleert. Immer kurz bevor er zu platzen drohte. Dafür tat es auch gar nicht weh, wenn die Kinder aus der Nachbarschaft mich samstags den Berg haben runter rollen lassen.   
 
- wurde jesus schon mal nackt gezeigt
In der Tat gibt es da einschlägiges Material. Wie andere Prominente nach ihm, hat auch der gute Jesus Christus einige seine jugendlichen Sexkapaden auf Zelluloid gebannt. So gibt es unter anderem ein Video namens „One Night in Maria Magdalena“, das in einer Scheune in Bethlehem gedreht wurde und aus dem der Satz „Warum liegt denn hier eigentlich Stroh rum?“ ursprünglich entstammt.
 
- man nennt mich biber wegen meiner körperbehaarung
So schlimm ist das jetzt auch wieder nicht. Es gibt Menschen die werden Biber genannt, weil sie so heißen. Wir hatten früher mal einen beim Handball, der war so behaart, dass er sich in Vollmondnächten in einen Menschen verwandelt hat.
Bei uns trug der arme Kerl den Spitznamen Alf.
 
- wann ist der schöpfung gewesen ??????????????????????????
Der Schöpfung war ganz am Anfang. Also bevor alles da war. Sogar noch bevor der Satan die Dinosaurierknochen auf der Erde versteckt hat, damit wir in dem Irrglauben leben, dass der Planet älter als 6000 Jahre ist. Meine Theorie zur Schöpfung lautet übrigens: Das Universum ist durch das Niesen eines kolossalen Weltraumfaultiers entstanden und ist nichts anderes als eine sich über Milliarden Jahre ausbreitende Rotzfahne.
Klingt vielleicht ein wenig komisch, das tut ein Mann der übers Wasser laufen kann auch. 
 
- nutte selber bauen
Um sich eine Nutte für den Hausgebrauch zu bauen, benötigen sie zwischen 50 und 120 Kilogramm Mett (je nach Figur-Vorliebe), zwei bis drei Besenstiele aus Holz (für das Skelett) und 20 Rollen Panzerklebeband (damit das alles zusammenhält) und eine Echthaarperücke in der Farbe ihrer Wahl. Alternativ könnten sie aber für das Geld einfach eine gelernte Liebesfachkraft anheuern. Die meisten machen auch Hausbesuche.  
 
- heftzwecken den schwanz foltern
Also ich habe ja für vieles Verständnis, aber das geht ja mal gar nicht! Die armen Heftzwecken. Da wird man als Heftzwecke endlich mal gekauft, darf zu jemanden nach Hause und freut sich darauf ein Justin Bieber Poster zu halten und dann so was.
Auch Heftzwecken haben Gefühle!
 
- im holodeck würde ich jeden ficken
Ich musste lange recherchieren um herauszufinden, was mit diesem Sucheintrag auf sich hat. Das Ergebnis meines Investigationen: Hierbei handelt es sich um einen Ausspruch von Captain Jean-Luc Picard aus der lange verschollenen 27. Episode der ersten Staffel von Star Trek – The Next Generation. Die Folge mit dem Titel „Zwei Klingonen – eine große Schüssel“ beschreibt die Bestreben eines Technikoffiziers der Enterprise das Holodeck in ein Flat-Rate-Bordell umzufunktionieren. Klappt aber nicht.       
 
- wenn der dildo nicht mehr reicht
Hier meine Top-5-der-Dinge-die-man-nehmen-kann-wenn-der-Dildo-nicht-mehr-reicht:
5. Lavalampe
4. Straßenpoller
3. Dackel
2. Patriot Rakete
1. Eifelturm

Wer suchet, der findet

Meine (unsortierten und kommentierten) Top-10 der schrägsten Suchbegriffe unter denen Menschen im letzten Jahr auf diesen Blog gelandet sind:
 
- kann beim auf klo gehen das jungfernhäutchen platzen
Wenn man aus Versehen stolpert und dabei ganz unglücklich auf die Klobürste fällt, kann das durchaus passieren.
 
- oma masturbiert in der dusche mit klobürste
Ich habe da diese Frage im Kopf, die mir wirklich weh tut. Ich traue mich gar nicht es auszusprechen … ach, was soll’s. Wir sind ja unter uns. Also: Mit welchem Ende?
 
- ich hab mir zu meinen world of warcraft char einen runtergeholt
Ich hoffe nur es war kein Ork Schamane … oder einer diese neuen Pandabären …
 
- fotos von herunterhängenden speichelfaden von lippen
Ooookkkkkaaayyy. Ich weiß jetzt nicht in welchem Zusammenhang das gesucht wurde. Ich glaube ich will das auch gar nicht wissen. Und welche Lippen sind überhaupt gemeint?
 
- i phone porno kacken kotzen auf sklavin
I-Phone-Besitzer kamen mir eh schon immer so komisch vor. Oder ist etwa ein Film fürs I-Phone gemeint? Oder ein I-Phone das auf eine Sklavin kackt und kotzt?
 
- erkältung fanfiction
Wem Harry-Potter oder Twilight-Fanfiction zu langweilig ist, für den gibt es jetzt den neuesten Knüller: Erkältungs-Fan-Fiction. Dort beschreibt dann die 15jährige Mandy K. aus Leipzisch wie sie drei Tage wegen einer Grippe nicht in die Schule gehen konnte und sich während dieser Zeit unsterblich in ein Grippevirus namens Uwe verliebt hat.
 
- pornodarstellerin im pokemon kostüm
Klingt nach etwas, dass ich gucken würde. „Pornachu, du bist dran! Spritzattacke!“.
 
- kurzgeschichten über frauendie beim frauenarzt auf ihre schammlippen verkürzung warten
Das klingt nach einer Marktlücke. Vielleicht sollte ich so was mal machen. Die Geschichte von Barbara (41), die ständig über ihre Schamlippen stolpert und sich letztlich dazu entscheidet eine chirurgische Korrektur durchführen zu lassen. Sie sitzt dann im Warteraum beim Doktor und blättert die neueste Ausgabe der Gala durch, während sie in einem 40-seitigen inneren Monolog ihr Leben Revue passieren lässt, den Ukraine-Konflikt von allen Seiten durchleuchtet und den neuen Star-Wars-Film plottet. Klingt als könnte das das neue „Feuchtgebiete“ werden.
 
- bunte socken porn
Klingt irgendwie süß. Ein bisschen wie Blümchensex. Aber wer weiß? Vielleicht bedeutet Bunte Socken Porn in einschlägigen Kreisen so was wie „Mit Backsteinen so lange auf den Penis hauen bis er aussieht wie eine bunte Socke“. Das wäre dann eher nicht so süß.
 
- zoopornos extrem mit schweinen und affen
Ich finde ja an sich den Gedanken an Zoopornos schon ziemlich befremdlich (und das ist noch diplomatisch ausgedrückt) aber WTFß! ist Zooporno EXTREM?! Werden die armen Viecher vorher noch in passende Latex-Anzüge gezwängt und auf eine Liebesschaukel festgebunden?

Schreiben ist an sich keine Zauberei, wenn man nicht ständig abgelenkt … Oh mein Gott, was macht die Frau denn da mit der Lavalampe?  

(Überarbeitung)

06:30 Uhr
Ich werde durch den verführerischen Duft von Kaffe geweckt und als ich die Augen öffne, setzt sich Scarlett Johansson gerade auf mein Gesicht.
Nachdem ich ihr fünf Orgasmen beschert habe (davon zwei nur durch das Vorlesen meiner Texte), stehe ich auf und gehe ins Bad. Was ich im Spiegel erblicke, würde Kahl Drogo vor Neid erblassen lassen. Mein Körper ist so perfekt, dass Photoshop daran zerbrechen würde und Frauen bei mir Schlange stehen, wie bei einer Primark-Eröffnung.   
 
06:30 Uhr
Der Wecker klingelt und reißt mich aus meinem Traum.
Der penetrante Geruch von Urin sticht mir in die Nase und als ich die Augen öffne, sitzt meine Katze mit ihrem fetten Arsch auf mein Gesicht.  
Fluchend verjage ich das Vieh und stehe auf. Mein Rücken fühlt sich an, als hätte mich gestern Nacht Rainer Calmund ordentlich beritten. Ich gehe ins Bad und was ich im Spiegel erblicke, würde Kahl Drogo vor Lachen die Tränen in die Augen treiben. Mein Körper sieht aus, wie ein 1 Meter 78 großer, aufrecht stehender Mettigel, der zu lang in der Sonne gelegen hat.
Und riechen tut er auch so.
 
07:00 Uhr
Ich war gerade in der Bäckerei und habe meinen neuesten Anmachspruch bei der hübschen Teigwarenfachverkäuferin ausprobiert. Hat aber nicht so funktioniert wie ich es mir erhofft hatte.
 
Ich: „Hi, ich bin Aragorn der Waldläufer und ich würde mich gerne mal in deinem Unterholz umsehen.“
Sie: „Tut mir leid, aber den Wald hat Gimli gestern mit seiner Axt gerodet.“ 
 
07:30 Uhr 
Mein Frühstück hat gerade ein Foto von mir bei Facebook gepostet.
Trotz Instagramm sehe ich immer noch ziemlich unappetitlich aus.
 
08:00 Uhr
Heute wird ein richtig produktiver Tag. Das ist so sicher wie das
Amen in der Moschee.
 
08:10 Uhr
So! Bevor ich loslege muss ich aber noch mal kurz meine Mails checken, die Welt retten und mal schauen was es neues auf 9Gag und WebFail gibt.
 
10:00 Uhr
Mein Telefon klingelt. Da ist sie wieder.
Seit Wochen belästigt mich diese Stalkerin. Sie ruft ständig an, schreibt mir jeden Tag zwanzig SMS und spioniert mir auf Facebook nach. Letzten stand sie sogar mal vor meiner Haustür. Ich glaube es wird echt mal Zeit, dass ich ein ernstes Wort mit meiner Mutter rede.
Aber nicht heute.
 
10:10 Uhr
Meine Agentin hat gerade angerufen und mich darauf hingewiesen, dass sie dringend mein neues Manuskript braucht.
Ich habe ihr versichert, dass ich daran arbeite und sie es bald bekommt.
Ich schaue mir aber erst mal ein paar Katzenbabyvideos an.
 
 
10:20 Uhr
Es gibt gar keine Katzenbabys bei junge-muschis.de.
Dafür weiß ich jetzt wofür eine Lavalampe noch gut ist.
 
11:15 Uhr
Eigentlich sollte ich an meinem Manuskript arbeiten, aber ich bin gerade beim Zappen bei Germanys Next Top Model hängen geblieben. Diese dürren Models sehen ja alle aus wie Parkuhren bei denen der Schlitz unten ist.
 
11:20 Uhr
Ich frage mich ob der Gründer von Hassloch den Ort nach seiner Frau benannt hat.
 
11:25 Uhr
Die Arbeit als Autor macht einsam.
Ein Kollege von mir ist inzwischen so vereinsamt, dass er nur noch zwei Freunde bei Facebook hat und das sind seine Eltern. Das letzte Mal, dass er was mit einer Frau hatte, war Helmut Kohl noch Kanzler und bei ihm geht das inzwischen so weit, dass er sich bei Ikea Bilderrahmen kauft und die Bilder der fremden Leute drin lässt, wenn er sie aufhängt.
 
12:00 Uhr
Der Blick in den Kühlschrank ist ernüchternd. Aus Wodka, abgelaufenem Tsatsiki und einem Kühlpad könnte noch nicht mal der Hensler was zaubern.
Ich bestelle mir was beim Chinesen.
Ich bestelle immer beim Chinesen, weil der kleine höfliche Asiate niemals nein sagen kann, wenn ich ihm meinen Müll mit runter gebe.
 
12:55 Uhr
Ich habe jetzt die Schnauze voll davon, ein erfolgloser Kleinkünstler zu sein. Ich schreibe jetzt einen Bestseller. Arbeitstitel: “Die Unglaubliche Geschichte einer phantastischen Reise der Wanderhure, die an der falschen Bushaltestelle ausstieg und auf einem Bauernhof den Hundertfünfundzwanzigjährige Adolf Hitler traf, dem sie das Kopfrechnen beibrachte, um ihn dann im Schlaf zu erdrosseln”.
 
13:00 Uhr
Mir ist gerade klar geworden, dass in ein paar Jahrzehnten die Politiker hier in Deutschland Namen tragen werden wie Keven-Jason Schmidt oder Shanaya-Paris Kohlmeyer.
Ich glaube ich sollte auswandern.
Mordor soll ja ganz schön sein.
 
13:15 Uhr
Seit fünf Minuten sitze ich vor meinem Manuskript, ohne dass ich auch nur einen Buchstaben geschrieben habe.
Ich schau mal kurz bei Facebook rein. Ganz kurz.
 
20:00 Uhr – Etwa 7 Stunden später 
Facebook ist der Antichrist und Candy Crush Saga ist einer der Vier Reiter der Apokalypse.
 
20:05 Uhr
So, jetzt arbeite ich aber wirklich mal an meinem Buch weiter.
 
22:30 Uhr
Es ist schon Wahnsinn, was man alles mit Büroklammern machen kann. Das ist wie Minecraft, nur in echt. Ich habe in den letzten zwei Stunden damit angefangen, den Todestern nachzubauen. Allerdings sind mir die grauen Büroklammern ausgegangen und in Bunt sieht das Ding so aus, als hätte sich ein Regenbogen darüber erbrochen. 
 
23:00 Uhr
So, ich bin jetzt müde und gehe ins Bett.
An meinem Buchmanuskript habe ich heute nicht wirklich gearbeitet. Aber hey, morgen ist ja auch noch ein Tag.