Call of Zivi

Eines Morgens wache ich auf und obwohl ich mich fühle als sei ich Mitte Zwanzig, stecke ich im Körper eines übergewichtigen Typen Anfang Vierzig. Immerhin ist es mein eigener.

Ich seufze, stehe auf und mache die Playstation an.

Manchmal habe ich das Gefühl,dass ich seit dreißig Jahren in der Pubertät feststecke.

Während ich bei Call of Duty von irgendwelchen ADHS-Spacken lang gemacht werde, die so alt sind, dass sie meine Kinder sein könnten, schweifen meine Gedanken ab und reisen wie einst Marty McFly zurück in die Vergangenheit.

Es war das Jahr 1994 gewesen. Es war das Jahr in dem Kurt Cobain uns bewiesen hatte, dass er mit der Zeile „And I swear that I, don’t have a gun” gelogen hatte. Es war das Jahr in dem Jordan Letschkow bei der WM in den USA die deutschen Titelverteidiger-Träume mit einem Kopfball platzen ließ. Es war das Jahr in dem ich mit viel Abstand zum faulsten Zivildienstleistender des europäischen Kontinents gekürt wurde.

Ich war einundzwanzig und so faul, dass ich gelegentlich einfach so das Atmen für ein paar Stunden einstellte.

Nachdem ich es irgendwie geschafft hatte drei Lehrjahre und eine Prüfung zum Speditionskaufmann einigermaßen ohne großen Arbeitsaufwand zu überstehen, stand nun meine Zivildienstzeit an.

Ich hatte mich dazu entschieden diese Zeit als Büro-Zivi im Kulturverein „Die Börse” zu verbringen, in der Veranstaltungen aller Art organisiert wurden, vom Jazz-Konzert, über den Seniorenabend bis hin zu Perfomance-Kunst bei der gerne mal in Badewannen gekackt wurde.

 Neben den Veranstaltungen gab es auch ein großes Angebot an Kursen, wie „Meditieren bei Heavy-Metal-Musik”, „100 leckere Rezepte mit Baumrinde” oder „Die heilende Kraft des Eigenurins”.

Mein Aufgabenbereich war dabei klar definiert. Tagsüber musste ich Büro sitzen und potentielle Veranstaltungs- oder Kursinteressenten abwimmeln, auf dem Rechner Tetris spielen und generell so tun, als sei ich beschäftigt, obwohl ich eigentlich die meiste Zeit mit den Zimmerpflanzen um die Wette vegetierte.

 Am Abend dann kam meine große Stunde. Bei den Veranstaltungen wurde ich in ein Kassenhäuschen gesperrt, das nur unwesentlich größer als ein Schuhkarton war, und dort musste ich nun mit vorgetäuschter guter Laune Eintrittskarten an Menschen verkaufen, die sich einen Typen angucken wollten, der in eine Wanne kackte.

Besonders beliebt unter den Zivildienstleistenden war aber der Seniorenabend. Dort konnten wir junge Kerle schon mal sehen, was uns im Alter erwarten würde.

Allerdings war es gar nicht so anders, als das was wir bereits kannten, denn beim Seniorenabend wurden nicht nur Waffeln gegessen und bei Schlagermusik getanzt, sondern auch ordentlichen Alkohol konsumiert.
Es ging soweit, dass wir den Auftrag bekamen bei einigen der Damen den Doppelkorn mit Wasser zu verdünnen, damit sie sich nicht im Laufe des Abends lattenstramm an den beiden letzten verbliebenen männlichen Senioren vergingen.

Aber ich habe in meiner Zeit als Zivildienstleistender auch viel gelernt. Zum Beispiel: Kiffen.

Wie der Volksmund in den 90er so sagte, lernte mal bei Bund das Saufen und beim Zivi das Kiffen und so war es bei mir auch. Wobei ich sagen muss, dass ich damals ersteres schon einigermaßen gut beherrschte.

Meinen ersten Joint habe ich mit einundzwanzig geraucht und ich muss zugeben, dass ich mich an die Ereignisse des nachfolgenden Abends nicht mehr wirklich erinnern kann. Ich weiß nur noch, dass ich wie in Watte bepackt zu einer Party geschleppt wurde, bei der man mich einfach in eine Ecke abgestellt hatte. Der Legende nach   stand ich vier Stunden dort mit einem leicht debilen Grinsen im Gesicht und machte nur durch gelegentliche Kicheranfälle auf mich aufmerksam. Als man mich um drei Uhr Morgens dort wieder abholen wollte, war ich allerdings verschwunden. Wie sich herausstellte, hatte ich es mir mit einer 5-Kilogramm Trommel Paprikachips auf dem Sofa gemütlich gemacht, wo ich der Frage nachging wie viel Chips ich mir gleichzeitig in den Mund schaufeln konnte ohne dabei zu ersticken.

 Es war das Jahr 1994 gewesen. Es war das Jahr in dem die Eichenrotkappe zum Pilz des Jahres gewählt wurde.

Das Jahr in dem Helene Fischer ihren zehnten Geburtstag feierte und die Estonia unterging (leider ohne Helene Fischer).

Das Jahr in dem ich aus Langeweile beim Zivildienst mit dem Schreiben anfing.
Also, alles in allem, ein gutes Jahr für die Menschheit.

 

    

Die Geschichte des kleinen Klabusterbären, der nicht mehr in einer Arschritze leben wollte

Es war einmal vor gar nicht langer Zeit, ein kleiner Klabusterbär, der er satt hatte, jeden Tag das gleiche Arschloch zu sehen. Eines schönen Tages saß er mit seinem besten Freund, der Sackratte Ulf, auf dem Damm und sie blickten hinunter ins Aftertal, wo tief im Haarwald der Anus-Krater lag. Weit entfernt ertönte ein tiefes Donnern. Eine warme, laue Brise wehte ihnen ins Gesicht und Ulf reckte das Näschen in die Luft und sagte: „Bohnenwetter. Schon das dritte Mal diese Woche“.
Der kleine Klabusterbär schüttelte traurig den Kopf und sagte: „Ich habe die Nase voll von meinem Scheißleben. Mir stinkt es hier unten gewaltig. Ich will endlich was von der Welt sehen!“

Gesagt getan, packte der kleine Klabusterbär seine sieben Sachen in seine Gürteltasche und machte sich auf dem Weg zu den Skrotum-Gebirgen. Obwohl der Klabusterbär topfit war, immerhin ging er einmal die Woche nach Ritzenhausen ins McFit, fand er den Aufstieg des Hodenbergs sehr anstrengend. Doch er wusste, entlang des Penisschaftsweges würde es noch gefährlicher werden, denn wer sich dort einen Fehler leistete, landete Ruck-Zuck in der Unterhose und die Reise würde in der großen Waschtrommel enden. Seit vor einigen Tagen der Intimrasorkan gewütet hatte, war die dichte Haarbewaldung im Schambeinbecken verschwunden, so dass der kleine Klabusterbär ganz problemlos bis zur Bauchnabelhöhle vorstieß, wo er sich ein wenig Ruhe gönnen konnte. Doch schnell wurde ihm bewusst, dass er dort nicht alleine war. Tief aus dem Inneren der Höhle kam ein leises Wimmern. Als der kleine Klabusterbär sich näherte, sah er eine verängstigte Fluse in der Ecke kauern. „Du brauchst keine Angst haben. Ich bin der kleine Klabusterbär.
Ich werde dir nichts tun“, sagte der kleine Klabusterbär.
„I do not understand you“, sagte die kleine Fluse und der kleine Klabusterbär ärgerte sich darüber, dass er in der zehnten Klasse Englisch abgewählt hatte. Er dachte eine Weile angestrengt nach und sagte dann: „Hello, little Bellybutton-Fluff. I am the Klabusterbear and you don’t have to be such a little fear-rabbit. I come in friendship. I am here because I have the nose painted full of living at the ass of the world. Excuse me, but my englisch is under all pig and I you understand only trainstation, it is not your error but mine“. Obwohl die kleine Fluse nur Bahnhof verstand, freundete sie sich mit dem Klabusterbären an, der entschied, dass er doch ein paar Tage in der Bauchnabenhöhle bleiben könnte.

Die Entscheidung sollte sich allerdings als fatal herausstellen. Denn eines Morgens wachte der kleine Klabusterbär auf und er merkte, dass die kleine Fluse nicht mehr da war. Dafür hatte sein Körperumfang beträchtlich an Volumen zugenommen. Es dauerte eine Weile bis dem Klabusterbären klar wurde, dass er sich die kleine Fluse einverleibt hatte. Das machte den kleinen Klabusterbären sehr, sehr traurig. Mit hängenden Schultern stand er am Eingang der Bauchnabelhöhle, während er in den schwarzen T-Shirt-Stoffhimmel blickte. Plötzlich riss das Firmament auf und der kleine Klabusterbär wurde von einem grellen Licht geblendet. Gerade als seine Augen sich an die Helligkeit gewöhnt hatten, sah er einen riesigen Finger auf ihn zurasen. Bevor er überhaupt reagieren konnte, wurde er gepackt, aus der Bauchnabelhöhle gepult und auf dem Finger liegend zu einer gigantischen Nase geführt. Er spürte den Sog, als an ihm gerochen wurde und hörte das laute, angewiderte „Bähh!“. Dann wurde er geschnippt.

Vollgepumpt mit Endorphinen und in einem Zustand fast vollständiger Glückseligkeit genoss der kleine Klabusterbär diesen Moment absoluter Freiheit, als er durch den Raum flog. Und wenn er nicht gestorben ist, fliegt er dort heute noch und ist dabei, der glücklichste Klabusterbär, den die Welt je gesehen hat.

Dirty Nerd als EBook

coverAb sofort kann man bei Amazon mein neues Buch “Dirty Nerd – Texte von der dunklen Seite des Nerdtums” als EBook kaufen. 40 Texte mit jeder Menge Nerdanspielungen und natürlich einer großen Portion bösen Humors für günstige 3,99 Euro. Darin findet man meine Bühnentexte der letzten zwei Jahre, einige Kurzgeschichten und allerlei anderen lustigen Kram.

Bisher gibt es das nur als Amazon-EBook – andere Formate sollen folgen.

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Das geht raus an euch!

Das geht raus an die Fernsehmacher, die mit ihren Fernsehschrott die Intelligenz der Menschen in diesem Land beleidigen. Jeden Tag gehen so viele Sendungen über den Äther, bei denen ich Augenbluten bekomme. Wenn ich die Kiste einschalte, will ich unterhalten werden oder was lernen und nicht sehen, wie irgendwelche fetten Kinder nach Afrika geschleift werden und dort vor den Augen der hungernden Eingeborenen Nervenzusammenbrüche bekommen. Ich will keine Hartz-4 Familien mehr sehen, die sich vor Millionen-Publikum zum Affen machen, weil die Wichser von RTL oder Sat-1 ihnen ein paar Hundert Euro dafür versprochen haben. Ich will keine verschuldeten Ehepaare, keine psychopatischen Kinder oder irgendwelche Ziegenficker sehen, die mal eine Frau aus der Stadt betouchen dürfen. Wenn ihr euren Scheiß schon Reality-TV nennt, dann zeigt auch verdammt nochmal das echte Leben. Wie wär’s denn mal mit Skinhead-TV. Eine Sendung bei der wir Live dabei sein dürfen, wenn die Wehrsportgruppe Chemnitz-Nord (Kampfname: Kahl und Scheel) einen Ausländer durch die Innenstadt hetzt? Wie wär’s mal mit echtem Journalismus statt Schlagzeilen-Geilheit? Warum muss ich mir die Bilder eines Amoklaufs aus tausend verschiedenen Perspektiven ansehen, wenn es auf der Welt so viele andere Themen gibt, über die man seriös berichten könnte?

Das geht raus an die religiösen Extremisten, egal ob sie katholisch sind, muslimisch oder daran glauben, dass die Welt ein Pfannekuchen ist. Wer im Namen eines Gottes mordet, dessen Existenz genau so zweifelhaft ist, wie die des Osterhasen, hat gewaltig einen an der Klatsche. Nur weil vor tausenden von Jahren irgendwelche besoffenen Hirten ein paar Sätze auf Pergament gekritzelt haben, führen wir heute noch Krieg. Das ist nicht euer Ernst, oder? Und ich dachte wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Wie kann es sein, dass die Katholiken die Muslime unzivilisiert nennen, wo es doch heute in den USA wieder Schulen gibt, die den Kindern beibringen, dass der Mensch nicht vom Affen stammt und die darwinistischen Lehren an Kriminalität, hohe Scheidungsraten und Abtreibungen Schuld sind? Und das alles nur, weil die Menschen sich nicht damit abfinden können, dass es nach dem Tod nichts gibt. Es gibt kein Paradies, keine Wiedergeburt und keine 77 Jungfrauen. Nur Dunkelheit und Stille. Findet euch damit ab!

Das geht raus an die Mädels, die mich früher in der Schule „Pickelfresse“ oder „Brillenschlange“ genannt haben. Während ich hier oben stehe und die Bühne rocke, sitzt ihr mit euren Vierzig jahren auf dem Sofa und schaut euch verblödende Casting-Shows an, während eure Audi-fahrenden Ehemänner im Büro ihre 20-jährige Sekretärin bumsen. Das Leben ist nicht vorbei nur weil man Kinder hat, aber das habt ihr nicht verstanden und lebt nun in eurem Kokon aus Wohlstand und Spießigkeit, und während ihr langsam verbittert und irgendwann merken werdet, dass das Leben aus mehr bestehen sollte als aus „Germany Next Topmodel“ und den jährlichen Urlaub auf Rügen, werde ich mit 60 immer noch glücklich und zufrieden auf irgendeiner Bühne stehen und den Leuten erzählen was mir auf den Sack geht.

Das geht raus an die Politiker da draußen, die vom Volke gewählt wurden, um das Volke zu vertreten. Doch ums Volk geht es denen schon lange nicht mehr. Mit ihren Sitzen in Aufsitzräten und Vorstandsetagen, steckt die Politik der Wirtschaft schon so tief im Arsch, dass es für eine Prostata-Massage reicht. Wie kann es sein, dass ein porpeliger Landtagsabgeordneter in NRW fast 10.000 Euro im Monat verdient, während in unserem Land jedes fünfte Kind unter der Armutsgrenze lebt? Warum werden Menschen von den Konzernen immer mehr wie Arbeitsvieh behandelt und keiner unternimmt etwas dagegen? Soziale Gerechtigkeit ist zu einem geflügelten Wort verkommen, das nur noch zu den Wahlen aus der Trickkiste der Politiker geholt wird, um den Menschen Dinge zu versprechen, die nach den Wahlen gebrochen werden können. Doch wir begehren nicht auf, protestieren nicht, gehen nicht auf die Straße, sondern akzeptieren murrend und halten uns damit aufrecht, dass es im Fernsehen ja so viele andere gibt, die es schlechter geht als uns. Während die Politiker uns auf der Nase rumtanzen, geht die Gesellschaft langsam aber sicher zu Grunde, aber das interessiert uns nicht einmal. Für uns wichtiger zu wissen, wer das neue Top-Model, wer das Supertalent, wer Deutscher Fußballmeister wird, statt mal politische Entscheidungen zu hinterfragen.

Das geht an die Ed-Hardy-Idioten und Pseudo-Gangstas da draußen. Eure Macho-Gehabe geht mir auf die Nüsse. Zu Hause seid ihr Mamis Lieblinge und sobald sich ein paar von euch Idioten irgendwo zusammenrotten, macht ihr einen auf dicke Hose. Lest lieber ein paar Bücher statt euch den ganzen Tag diese Vollspacken Bushido oder Fler reinzuziehen. Das sind keine Gangster, sondern kleine Rädchen der Musikindustrie, die solchen Kackfressen wie euch, das schwer erdealte Geld aus den Taschen ziehen. Macht euch mal nützlich, statt den ganzen Tag mit euren 3er BMWs durch die Stadt zu cruisen, Frauen abzuchecken oder Renter in der U-Bahn-Station tot zu treten. Wenn ihr den Respekt der Gesellschaft wollt, kümmert euch um behinderte Kinder oder sammelt Spenden für Afrika, statt mir mit eurem Testosteron-Gehabe auf die Eier zu gehen.

Wer suchet, der findet reloaded (Teil III)

Ich habe mal wieder die schönsten Google-Suchbegriffe der letzten Wochen gesammelt, mit denen Menschen auf meinem Blog gelandet sind und ich habe sie natürlich auch kommentiert. Viel Spaß.

- karl rasierte fotzen in der sauna
Lange Zeit war Karl (42) als Intimbereichsfriseur im Salon Haar-n’-Blasenerkältung in Köln-Sülz beschäftigt, bis er eines Tages seine Leidenschaft für das Rasieren unter extremen, klimatischen Bedingungen entdeckte. Heute lebt er seinen Traum und rasiert Fotzen in der Sauna.

- prächtige dreilochstute
Nach Keinohrhasen und Zweiohrküken, kommt jetzt die nächste romantische Komödie von und mit Til Schweiger in die Kinos: „Dreilochstute – das prächtige Miststück“. Mit dabei sind alle ehelichen und unehelichen Kinder von Til Schweiger, sein Onkel Tim Schweiger, sein Vetter Tom Schweiger, sein Großvater Pit Schweiger und seine Tante Uwe Schweiger, sowie sein privater Intimbereichsfriseur Karl in der Rolle des Saunabesitzers Til Schwitzer.

- frauen die beine breit machen für kleines taschengeld
Ich muss zugeben, dass mir keine Frau bekannt ist, die Beine für kleines Taschengeld breit macht. Wenn man aber sein kleines Taschengeld in ganz viel Fett- und Zuckerhaltige Sauereien investiert, gehen die Beine auch in die Breite.

- star wars leia sklavin porno
So etwas passiert also, wenn man beim Googlen auf der eigenen Seite landet. :)

- selbstbefriedigung t-rex
Ja, auch T-Rexe haben masturbiert. Da ihr Gehirn aber so klein war, dass sie sich keine sexuelle Szenen vorstellen konnten, waren die meisten Tyrannosauren Voyeure, die nur dadurch erregt wurden, wenn sie andere Dinos beim Liebesspiel zuschauen konnten. Außerdem waren sie durch die kurze Länge ihrer Arme dazu gezwungen sich zum Zwecke der Selbstbefriedigung an Dinge zu reiben wie Bäume, Felsen oder andere Dinos, die das Pech hatten gerade in der Nähe blöd rumzugrasen.

- ist onanieren sünde?
Klar, frag dich mal warum die T-Rexe ausgestorben sind. Falls dich der Drang dazu mal wieder überfällt, raten christliche Internseiten dazu, ein Gebet an Gott zu richten und aus der Bibel zu lesen. Nur vielleicht nicht gerade die Stelle über Sodom und Gomorra. Die macht mich immer so richtig scharf.

- satan bluse in der scheide zu lust steigerung
Was mir dieser Suchbegriff sagt: Satan scheint eine Frau zu sein oder ein Typ, der gerne Blusen trägt. Wenn man es schafft eine der Blusen Satans in die Finger zu bekommen und sich diese in die Scheide steckt steigert das die Lust. Mögliche Alternative: Satan Blues in der Scheide zur Luststeigerung oder Satinbluse in der Scheide zur Luststeigerung. Ich glaube ich sollte man eine Facebook-Umfrage zu diesem Thema starten. Vielleicht findet sich ja die eine oder andere, die eines dieser Dinge in ihrer Mumu gesteckt hat.

- gruppensex mit liliputaner kostenlos
Ich bin ja der Meinung, was nichts kostet, das ist auch nichts. Wer also mal ein ordentliches Liliputaner-Gebumse erleben will, muss dafür auch mal ‚ne Mark mehr auf den Tisch legen. Sonst landet man hinterher noch mit Mainzelmännchen, Hobbits oder Gremlins im Dark-Room.

- david grashiff nerdmännchen text
Ich könnte natürlich darüber erbost sein, dass mein Name falsch geschrieben ist (Ich heiße GRASHOFF, du Honk!), bin ich aber nicht. Stattdessen freue ich mich über das Bild, dass der Begriff „Nerdmännchen“ vor meinem geistigen Auge zaubert. Ich sehe einen Hügel aus Büchern, DVDs und Blu-Rays, Videospielen und Rollenspiel-Regelwerken auf dem ein einsamer Nerd steht, der mit wachsamen Blick nach der nächsten Game-of-Thrones-Staffel Ausschau hält, während seine Artgenossen in ihren Höhlen sitzen und ihre World-of-Warcraft-Charaktere pimpen, den Todesstern aus Pappmaché nachbauen oder das Internet nach Pornos die sie noch nicht kennen durchforsten.

Old Shit: Der Limbo-König von Oer-Erkenschwick

Alle Kinder haben die märchenhafte Kraft, sich in
alles zu verwandeln, was immer sie sich wünschen.
Jean Cocteau (1889–1963)
 
Kinder sind eine Brücke zum Himmel.
Iranisches Sprichwort
 
Es ist ein wirklich schöner Samstagnachmittag.
Der Himmel strahlt in seinem prachtvollsten Blau und nur eine vereinzelte Wolke schwebt träge vor sich hin. Überall bilden sich erste zarte Knospen und lassen erahnen, dass der Sommer sich mit großen Schritten nähert.
Wir befinden uns in Oer-Erkenschwick.
Um genau zu sein, in der Schillerstraße.
Es ist eine typische, gutbürgerliche deutsche Wohngegend.
Jedes Haus ist von einer Mauer, einem Zaun oder einer sauber geschnittenen Hecke umgeben, als fürchte man sich vor den Blicken der Nachbarn.
Von den Grundstücken sind oft nur noch die Garageneinfahrten zu sehen, wo meist an Samstagen das Auto mit deutscher Gründlichkeit von der Felge bis zur Antenne gereinigt, poliert und liebevoll gestreichelt wird.
Ab und an steht ein verloren wirkender Gartenzwerg vor solch einer Einfahrt und nährt die Zweifel am deutschen Geschmack. Nur das laute Geschrei von einigen spielenden Kindern stört die fast idyllische Ruhe – von den Geräuschen her könnte man glatt vermuten, dass sie gerade abgestochen werden –, aber irgendwie scheint es keinen zu stören.
 
Es ist immer wieder erstaunlich, zu beobachten, wie das Wetter sich auf die Laune der Menschen auswirkt. Selbst Herr Ostersand, ein ehemaliger Major der Bundeswehr, der normalerweise mit einem Fernglas und einem Schreibblock bewaffnet die Autokennzeichen von Falschparkern und vermeintlichen Rasern notiert, sitzt auf der Veranda, tief versunken in seinem Ohrensessel und genießt die Sonnenstrahlen, die seinen knochigen Körper umgarnen. Sogar das Kratzen seines rechten Fußes – der sich zusammen mit seinem rechten Schienbein und einem Teil seines Knies, in einem Radius von dreißig Metern verteilt, auf einer Wiese in der Nähe von Pristina befindet – ist heute nicht ganz so schlimm.
 
Ein paar Häuser weiter versucht Jens Heinemann gerade krampfhaft, ein Seil zwischen zwei Kirschbäumen zu spannen. Jens ist dreizehn Jahre alt, von dürrer Gestalt und mit einer dunklen fülligen Haarpracht behaftet, die mehr Wirbel beherbergt als ein Flokatiteppich.
Er trägt eine Fielmann-Brille, Modell Harry Potter, sowie das dazu passende T-Shirt und er hat in dem Augenblick einen ziemlich dämlichen Gesichtsausdruck, als er merkt, dass die Schnur ganze
dreißig Zentimeter zu kurz ist.
Regungslos steht er dort und starrt auf den Baum, als wolle er ihn durch die Kraft seines Geistes
bewegen.Wer ihn besser kennt, weiß, dass er nachdenkt.
Oberflächlich betrachtet bekommt man leicht den Eindruck, Jens sei etwas beschränkt.
Ist er auch.
Was aber nicht bedeutet, dass er dumm ist. Er denkt halt nur ein wenig langsamer.
Wenn wir davon ausgehen, dass Gedanken wie einzelne Puzzleteile zusammengesetzt ein Ganzes
ergeben, so sind es bei Jens immer ein paar Teile mehr als bei den anderen.
Während er dort steht und nachdenkt, telefoniert seine Mutter mit Frau Borchers – ihres Zeichens
Schriftführerin des Bridgeclubs und überzeugte Pelzträgerin – und schwärmt von den Vorzügen von Fruchtenzym-Peelings.
Wer Frau Heinemann kennt, weiß, dass dieses Thema nur ein Vorgeplänkel ist, eine Art Tratsch-Aufwärmtraining, bis die wirklich wichtigen Neuigkeiten ausgesprochen werden.
Der Thailand-Urlaub von Herrn Dorner, ledig, aus der Goethestraße.
Warum kinderlose Frauen die Schönheit einer Geburt gar nicht nachvollziehen können.
Ob Frau Hutmacher ihre schlanke Figur dem Training und der richtigen Ehrnährung oder, wie
vermutet wird, der geschickten Hand eines Schönheitschirurgen zu verdanken hat.
Warum Barbara es einfach nicht schafft, von ihrem widerlichen Ehemann wegzukommen.
Und so weiter. Und so weiter.
Britta Heinemann liebt zwei Sachen über alles:
Talk-Shows und Tratschen.
Sie gehört zu der Sorte Frau, der man besser kein Geheimnis anvertraut.
Und das weiß auch ihr Mann.
Bernd Heinemann vögelt gerade ein junges Ding, das vor wenigen Wochen die Ausbildung als Anwaltsgehilfin in seiner Kanzlei begonnen hat. Sie liegen beide auf dem großen Schreibtisch aus Erlenholz, den Herr Heinemann zum Vierzigsten von seiner Frau geschenkt bekommen hat. Sein Gesicht im Busen der jungen Frau vergraben, verspürt er keinerlei Gewissensbisse. Die kommen erst später, aber mittlerweile kann er damit ganz gut umgehen.
 
Aber kehren wir zurück in die Schillerstraße.
Zurück zu Jens.
Das Problem mit der Schnur hat er unter Mithilfe seiner Schnürsenkel gelöst.
Während um ihn herum das Leben tobt, ist Jens tief in seine eigene Welt versunken.
Dort riecht es nach gebratenem Apfel, Zimt und Gewürzen.
Vom Meer kommt eine zarte Brise her über und erfüllt die Luft mit einem leicht salzigen
Hauch.
Ein Tohuwabohu von Gelächter, exotischen Gesängen und kreischenden Anfeuerungsrufen preschen auf Jens ein. Aber er ist ein Profi und bleibt cool.
Er lässt seinen Blick durch die Tribünen der Arena schweifen, und obwohl er sich nichts anmerken
lässt, ist er wirklich beeindruckt von der gewaltigen Zuschauermenge, die sich zum diesjährigen
Limbo-Wettbewerb eingefunden hat.
Jens ist erstaunt, wie viele bekannte Gesichter er in der Menge sieht.
Dort, gleich neben dem Imbissstand, steht Pippi Langstrumpf und unterhält sich mit Justus Jonas
von den drei Fragezeichen. Nicht weit von ihnen sitzt eine ganze Horde Kinder mit den typischen Schulanzügen von Hogwarts und ein paar Ränge weiter unten stehen die Olchis.
Alle sind sie gekommen, um zu sehen, wie die besten und beweglichsten Limboathleten der Welt ihre Künste demonstrieren und um die Kristalltrophäe kämpfen, alle bis auf seine Eltern.
 
Plötzlich setzt lautes Trommeln ein, gefolgt von einem Chor von Trompeten.
Alle Blicke richten sich auf die Ehrentribüne und ein Raunen geht durch das Publikum, als König
Artus erscheint. In einem purpurnen Umhang gehüllt, sein langer schneeweißer Bart im Rhythmus
seiner Schritte baumelnd, bewegt er sich zum Rand der balkonartigen Tribüne, wo er stehen bleibt, seine Arme in den Himmel hebt und mit tiefer, ehrfurchtgebietender Stimme verkündet:
„Der Wettbewerb ist eröffnet!“
Die Menge bricht in einen ohrenbetäubenden Jubel aus. Konfetti wirbelt durch die Luft und bildet
ein buntes Farbenmeer. Eine Band fängt an, die Titelmelodie vom „A-Team“ zu spielen, und Jens
spürt, wie sich seine Nackenhaare aufrichten und er eine Gänsehaut bekommt.
In der Mitte der Arena wird gerade von emsigen Kobolden die Limbostange aufgebaut.
Jens, der jetzt langsam die Anspannung fühlt, sieht sich prüfend seine Gegner an.
Sechzig Personen treten an, aber Jens weiß, dass sich schnell die Spreu vom Weizen trennen wird
und in der entscheidenden Endrunde höchstens fünf Wettbewerbsteilnehmer übrig bleiben werden. Er rechnet sich gute Chancen aus und auf den ersten Blick sieht er nur eine Gegnerin, die ihm gefährlich werden könnte: Lara Croft, Abenteurerin, Archäologin und begabte Limbotänzerin. Aber er weiß auch, dass bei so einer Veranstaltung viel passieren kann und man niemanden unterschätzen darf.
 
Die Regeln sind leicht erklärt.
Die Athleten müssen versuchen, unter der Stange hervorzukommen, ohne sie zu Fall zu bringen.
Der Oberkörper wird dabei nach hinten gebogen und die Füße müssen sich parallel zum Boden bewegen. Die Stange wird nach jeder Runde um fünf Zentimeter nach unten verschoben. Wer die Stange umwirft oder mit dem Rücken den Boden berührt, scheidet aus.
Während Jens sich gerade mit Dehnübungen aufwärmt, versuchen sich schon die ersten Wettbewerber.
Mit einem Auge beobachtet er das Geschehen, studiert die Technik seiner Gegner.
Als er an der Reihe ist, nimmt der Applaus um einige Dezibel zu. Er bedankt sich artig bei seinen Fans und nimmt die erste Hürde des Wettkampfes mit Bravour.
Auch die nächsten Runden sind kein Problem für Jens. Souverän meistert er jede neue Tiefe, während die Anzahl der anderen Teilnehmer rasch abnimmt.
Die Stimmung in der Arena wird mit jedem neuen Durchlauf ekstatischer.
Wie Jens erwartet hat, sind nach der zehnten Runde nur noch drei Teilnehmer übrig.
Jens, Lara Croft, die bisher fehlerfrei und mit erstaunlicher Gewandtheit das Turnier gemeistert hat, und ein Zwerg namens Allgunder, der aufgrund seiner Größe gewisse Vorteile mitbringt.
Die Vorbereitungen für die Endrunde sind in vollem Gange.
Die Band spielt im Hintergrund exotische Rhythmen, während riesige Menschenmengen sich vor den Imbissbuden sammeln. Jens sucht sich eine ruhige Ecke und knabbert unmotiviert an einem Schokokeks rum. Er würde sich gerne etwas ablenken, um nicht zu verkrampft das Finale anzugehen, kann aber die Augen nicht vom Zentrum der Arena lassen, in der die Turnierstange gerade gereinigt und neu aufgebaut wird.
Er riskiert einen Blick zu König Artus, der sich gerade angeregt mit einer
wunderhübschen Prinzessin unterhält.
Er wünschte sich, er könnte auch ein König sein.
 
Fünf kaugummiartige Minuten vergehen, zäh und nach Jens Empfinden langgezogen, wie es sonst
nur Schultage sind.
Erneuter Trommelwirbel, blecherne Trompeten und Jubel.
Jetzt geht’s los.
Die Limbostange wird mit einer schwarzen Flüssigkeit überzogen und in Brand gesetzt.
Lara Croft ist als erste dran.
Mit ernster Miene nähert sie sich dem Limbostab.
Ihr Körper verbiegt sich wie ein Bambusrohr im Wind und ganz behutsam scheint sie am Boden entlangzugleiten, ihren Kopf nur eine Haaresbreite unter den Flammen herziehend.
Das war verdammt knapp, aber sie hat es geschafft.
Jetzt ist Jens an der Reihe.
Er stellt sich vor die brennende Stange und holt dreimal tief Luft.
Die Zeit scheint sich zu dehnen und es kommt Jens so vor, als würde er sich selbst von oben herab
beobachten. Die Hitze des Feuers nimmt er kaum wahr und auch der Applaus lässt ihn kalt.
Erst, als er auf der anderen Seite des Sportgeräts steht, spürt er die Erleichterung und den Stolz. Er
reißt die Hände in die Luft und winkt den Zuschauern.
Als nächster ist der Zwerg dran.
Klein ist er wirklich, allerdings aufgrund seines kräftigen Körpers nicht sehr gelenkig.
Das wird ihm auch zum Verhängnis, als er, wie ein Sack Kartoffeln, einfach nach hinten kippt. Großes Gelächter geht durch die Reihen und Allgunder verschwindet mit rot glühendem Kopf in den Katakomben der Arena.
Das Publikum beruhigt sich und als Lara sich für den nächsten Durchlauf bereit macht, legt sich eine unheimliche Stille über die Sportstätte. Man kann die Spannung schon fast greifen.
Dann passiert etwas, mit dem Jens nicht gerechnet hat: Lara, die bisher einen steinharten und
selbstsicheren Eindruck machte, verschätzt sich und stößt mit ihrer rechten Schulter gegen die Stange. Sie erschrickt, zuckt kurz und fällt hin.
Totenstille.
Nur leises Tuscheln ist zu hören.
Lara kniet auf dem Boden, die Hände vor das Gesicht haltend und schluchzend.
Jens sieht große schimmernde Tränen zwischen ihren Fingern gleiten.
Sie tut ihm Leid und er fängt an zu klatschen.
Nach und nach stehen die Zuschauer auf und tun es ihm gleich.
Lara rafft sich auf und verbeugt sich in alle Richtungen.
Die Tränen sind verschwunden und sie lächelt verlegen.
Der Beifall zieht sich minutenlang hin.
 
Als er allmählich abklingt, kommt Lara zu Jens, umarmt ihn und wünscht ihm viel Glück.
Falls es Jens beim nächsten Anlauf auch nicht schaffen sollte, wird es dieses Jahr keinen Limbomeister geben. Das klingt hart, so sind aber die Regeln. Nur wer besser ist als alle anderen, hat die Kristalltrophäe verdient.
Jens schließt die Augen und versucht den Druck und die Anspannung zu vergessen.
Er leert seinen Geist und konzentriert sich vollkommen auf die Aufgabe, die vor ihm liegt.
In Gedanken führt er jede Bewegung im Voraus schon einmal durch.
Er ist so weit und schreitet zur Tat.
Er beugt sich nach hinten und nähert sich der Stange.
Sein Rücken schmerzt, aber da muss er jetzt durch.
Die Flammen streifen sein Gesicht.
Er dreht sich leicht zur Seite und berührt dabei den Stab.
Die Menge schreit laut auf.
Jens hält den Atem zurück und bleibt regungslos stehen.
Das Ding wackelt, bleibt aber liegen.
Ganz vorsichtig setzt er sich wieder in Bewegung.
So, der Körper ist schon auf der anderen Seite, jetzt muss Jens sich nur noch aufrichten.
Ein letzter Kraftakt und er steht.
Die Begeisterung des Publikums ist kaum noch im Zaum zu halten
Die bunte Schar von Kindern, Zeichentrick- und seltsamen Märchenfiguren stürmt
den Innenhof der Arena und es dauert keine Minute, da wird Jens von Hunderten von Armen in die Luft gehoben.
Er wird zur Ehrentribüne gebracht, wo König Artus ihm die Trophäe überreicht.
Jens nimmt sie mit stolz geschwellter Brust entgegen und stemmt sie unter tosendem Beifall zum Himmel.
 
Es ist wirklich ein schöner Abend.
Die untergehende Sonne taucht die Schillerstraße in ein feuriges Orange und der Geruch von frisch
gegrilltem Fleisch weht durch die laue Abendluft.
Major Ostersand macht sich für seinen monatlichen Freudenhausbesuch fertig.
Seine Prothese hat er gewienert und mit Parfum eingerieben, den schönen dunkelblauen Anzug gebügelt und jetzt steht er vor dem Spiegel und verteilt die paar Haare, die er noch hat, so, dass man möglichst wenig Haut auf seinem Kopf sieht.
Bei Heinemanns ist bald Essenszeit angesagt.
Während Vater Heinemann sich die Börsenkurse im Handelsblatt zu Gemüte führt, steht Britta Heinemann in der Küche und brät Rinderleber.
Obwohl es erst sieben Uhr ist, liegt Jens bereits im Bett. Er hat beim Spielen im Garten eine teure
Vase aus Kristall zerbrochen und muss zur Strafe ohne Abendessen in die Kiste.
Es stört ihn aber nicht besonders, da er eh keine Leber mag.
Als er seiner Mutter von seinem triumphalen
Erfolg bei der Limbomeisterschaft erzählen wollte, winkte sie nur ab und sagte genervt:
„Ja, ja, du bist der Limbo-König von Oer-Erkenschwick!“
 
(Diese Geschichte findet ihr übrigens auch in meinem Buch SACKAFFEN. Mehr dazu gibt es hier: http://www.lektora.de/shop/sackaffen/)
 

Wir müssen Montag alle wieder arbeiten

(Ja, ich war selber mal Fußballer … oder sowas ähnliches.)

Wer denkt, dass in der DFB-Kreisklasse der Tiefpunkt des deutschen Fußballs erreicht ist, der sollte mal einen Blick auf die Niederungen der Betriebssportligen werfen.
Hier findet man den Bodensatz des deutschen Kickertums, in dem ganze Mannschaften weniger fußballerisches Talent besitzen, als Michael Ballacks Ohrläppchen.
Ich kann das beurteilen.
Ich habe es erlebt.
Ich war dabei.
Ich habe zu ihnen gehört.
In dieser Zeit habe ich Dinge gesehen, die für mich als durchschnittlich sportbegabten Menschen nur schwer vorstellbar waren. Dinge, die mich an den klaren Verstand unseres Schöpfers – dem heiligen Fußballgott – zweifeln ließen.
Ich habe Menschen gesehen, die laufend so schnell waren, wie andere gehend.
Sportsfreunde, deren Leibesumfang so gewaltig war, dass sogar Rainer Calmund dagegen aussah wie Karl Lagerfeld.
Möchtegern Fußballer mit dem Ballgefühl einer sieben Tonnen Abrissbirne.

Samstag für Samstag. Egal ob es schneite, regnete oder brütend heiß war, fanden wir uns untalentierte aber tapfere Fußballrecken auf einem der Ascheplätze unseres Stadtbezirkes ein. Wir lieferten uns Duelle gegen Mannschaften die Namen trugen wie: Palette Oppenheim, Reinigungsdienst Eschbach und Söhne, Hackedicht 92 oder JVA Ostheim – es waren übrigens die Wärter und nicht die Insassen gegen die wir antraten.
Auf Außenstehende musste das, was sich auf dem Platz abspielte, einen sehr befremdlichen Eindruck gemacht haben. Zweiundzwanzig Bewegungslegasteniker, die hinter einem Ball herliefen, den sie oftmals nur durch Glück unter Kontrolle bekamen. Ein Ballet des Grauens, mit behaarten, dicken und schwitzenden Männer als Primaballerinas.
Doch manchmal, in ganz seltenen Fällen, konnte man sogar richtigen Fußball auf dem Feld beobachten: ein Hammerschuss mitten in den Winkel, ein gelungenes Dribbling, einen sauber gespielten Doppelpass, eine punktgenaue Flanke. In diesen außergewöhnlichen Momenten, in denen im Marianengraben des deutschen Fußballs, plötzlich so etwas wie Spielkultur Einzug erhielt, spürte man förmlich eine Welle des Stolzes über den Platz rollen. Es waren diese Augenblicke, in denen allen Beteiligten klar wurde, dass auch in der untersten Betriebssportklasse guter Fußball gespielt wurde. Wenn auch meist durch Zufall.

Schon meine Rekrutierung ins Betriebsportteam hätte mich stutzig machen sollen. Als damals unser Lagermeister auf mich zurollte und mich fragte:
“Sach mah Junge, mit den O-Beinen kannste doch bestimmt Fußball spielen! Willste nicht zu uns ins Team?“, hätte ich niemals gedacht, dass das der Anfang einer Jahre andauernden Hass-Liebe werden sollte.
Eine Woche später stand ich auf dem Ascheplatz Regenshagen und trottete neben unserem sprintenden Rechtsaußen her und wunderte mich darüber, dass unser Lagermeister-Spieler-Trainer mit seinem Gewicht überhaupt in der Lage war zu laufen, ohne das seine Knie einfach durchbrachen.
Dafür aber konnte er mit einem umfassenden Fußballwissen überzeugen, dass er sich durch das stundenlange Studium des Kultklassikers „Fußballtraining leicht gemacht“ aus dem Jahre 1976 angeeignet hatte. Den Erkenntnisse des modernen Fußballs um Trotz spielten wir daher noch mit Libero, Vorstopper und Flügelläufer.
Auch bei seinen Ansprachen vor dem Spiel und in der Halbzeit blitze das taktische Genie dieses Mannes durch, wenn er uns mit Anweisungen wie „flach spielen, hoch gewinnen“, „ ihr müsst fester passen“ oder „Bernd, du bist schwer, du gehst in den Sturm“ an seiner Fußballweisheit teilhaben lies.

Heute bin ich in einem Alter, in dem man beim Fußball dahin gestellt wird, in dem man wenigsten kaputt machen kann.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich den Ball so sehr liebe, dass ich ihn nur unter Androhung von Gewalt abgebe.
Aber irgendwie falle ich in unserer Mannschaft auch nicht außerordentlich auf, weil alle irgendwie als Fußball-Legastheniker durchgehen.
So wie unser Stürmer, der nur dann Hütten macht, wenn er einen Pegel hat, bei denen andere nur noch in der Lage sind in der Foetus-Stellung dem Alkohol abzuschwören.
Oder unser Mittelfeld-Pitbull, der dermaßen an Fußball-Tourette leidet, dass er sich sogar dann schon aufregt, wenn sein Gegner die gleiche Luft atmet wie er. Aber auch bei ihm stimmt das alte Sprichwort: Hunde die bellen, beißen nicht.
Auf der anderen Seite im Mittelfeld spielt unser jüngster Mann, der bei jeder Ballannahme einen Auszug aus dem sterbenden Schwan vorführt. Und jedes Mal wenn ein Gegner ihm zu Nahe kommt, wirft er sich vor Angst zu Boden und dabei ist er noch nicht mal Italiener.
Angst bekommt man in letzter Zeit vor allem vor unserem Torwart, der gelegentlich abgeht wie ein tasmanischer Teufel, dem man drei Liter Aufputschmittel in die Adern gepumpt hat.
Dort wo er hin grätscht, wächst nie wieder Gras … und auch keine Körperbehaarung.
Vor ihm steht der Libero. Er genauso alt wie die Bezeichnung dieser Position und so groß, das sogar ein Schlumpf ihm auf dem Kopf spucken kann. Jedes Mal wenn unser Methusalem vor einem Spiel den Platz betritt, muss ich an einen Hollywood-Klassiker denken: DIE MUMIE KEHRT ZURÜCK – Untertitel: Opa will es nochmal wissen.
Um die Chaos-Truppe zu komplettieren haben wir noch einen Defensiven-Mittelfeld-Stürmer, der stets die Flucht nach vorne sucht.
Einen halben Italiener, der nur dann kommt, wenn es ums saufen geht und auf dem Spielfeld seine Gegner unter Druck setzt … mit dem Tempo eines Faultiers.
Einen ganzen Italiener, den wir nur mitspielen lassen, weil seine Vorfahren uns im Krieg geholfen haben.
Und obwohl es manchmal ein bisschen so anmutet, als hätten wir Samstags Morgen alle für ein paar Stunden Ausgang aus dem Heim, so kann man nicht anders als diesen unvermögenden Haufen zu mögen.

Mein allererstes Betriebssportfußballspiel ging übrigens 9:1 verloren.
Dafür lernte ich schon bei meinem ersten Einsatz die goldene Regel des Betriebssports, als mich ein älterer Herr mit eine hängender Plauze im Dribbling nass machte und ich mir nicht anders helfen konnte als ihn zu faulen. Er stand behände auf und half mir auf die Beine. Dabei sagte er einen Spruch, den ich seitdem so oder in ähnlicher Form in beinahe jedem meiner Betriebssport-Spiele hören sollte: „Ruhig Brauner, wir müssen Montag alle wieder arbeiten!“.

Heimspiel

(Passend zur Fußball-WM, hier ein uralter Text von mir – wer Fehler findet, darf sie behalten – der beleuchtet, warum ich auch ein Fußball-Nerd bin.)

Mir ist kein Umfeld bekannt, in dem sich Freud und Leid so nahe stehen, wie bei einem Fußballspiel. Dabei ist es egal, ob man selber auf dem Feld steht, im Stadion sitzt, oder zu Hause vor dem Fernseher mitfiebert. Es ist dieses Wechselbad der Gefühle, das diesen Sport für mich zu etwas besonderem macht, denn wo sonst bekommt man schon 90 Minuten geboten, in denen die Stimmungslage so oft wechseln kann; von euphorischer Freude bis hin zu tiefer Traurigkeit, im Fußball ist einfach alles drin.
Am intensivsten fühle ich Fußball, wenn ich im Stadion bin und meine Mannschaft – den Wuppertaler SV – anfeuern kann. Dabei achten wir stets – wir bedeutet mein Leidensgenosse Tim und ich -, dass wir in der Nähe des Fanblocks stehen um etwas von der Stimmung abzubekommen, aber immer noch so weit weg, dass man nicht dem pöbelnden Fußballvolk zugerechnet wird. Dort stehen wir also, während die Jungs sich auf dem Rasen schon mal warm machen, und das Kribbeln wird mit jeder Minute, die wir uns dem Anstoß nähern intensiver. Den Blick haben wir dabei immer auf den Block der Gegner gerichtet, der sich in der 3. Liga irgendwo zwischen „eine mitgereiste Spielermutter“ – Dortmund Amateure – und „Tobender Mob“ – Dünamö Dresden – bewegt.
Dann, wenn das Erwartungskribbeln so groß ist, dass man die Beine nicht mehr still halten kann, kommt die Mannschaftsaufstellung und damit auch die Möglichkeit seine Stimme für die nächsten 90 Minuten aufzuwärmen.

Der Anpfiff.
Das Spiel beginnt und schnell merken wir, dass wir unserem Gegner überlegen sind.
Angespannte Euphorie, Vorfreude auf ein mögliches Tor, Erleichterung.
Ein Pfostenschuss unseres Stürmers bringt uns in Wallung, lässt uns unser Gesichter in die Hände vergraben. Enttäuschung, aber auch Zuversicht.
Nächste Chance, ein Flachschuss aus 20 Metern – der gegnerische Torwart hält.
Wieder greift man sich an den Kopf, möchte sich vor Wut die Haare ausreißen.
Irgendwann muss der verfluchte Ball doch ins Tor landen!
Dann kommt ein Konter der Gegner. Sauber vorgetragen, ein Doppelpass reicht, um unsere Abwehr auszuspielen. Schuss. Unser Torwart macht sich lang … vergebens. Tor.
Es ist wie ein Dolch aus Eis, der in dein Herz gerammt wird und dein Inneres gefrieren lässt.
Der Torschütze reißt die Arme in die Luft und rennt zum Gästeblock, um sich feiern zu lassen. In meinem erkalteten Herz spüre ich für einen Augenblick eine tiefe Abneigung, ja fast sogar Hass für diese Flachwichser, die jetzt feiern, wo wir doch eigentlich feiern sollten.
Dann kommt erst die Enttäuschung und dann die Gewissheit: jetzt stellen die sich hinten rein.
Man trotzt und erwartet eine Trotzhaltung seiner Mannschaft, doch die ist verunsichert, „agiert unglücklich“ und bringt es bis zur Halbzeit zu keiner nennenswerten Tormöglichkeit.
Niedergeschlagen setzt man sich auf seinen Hintern und muntert sich mit zuversichtlichen Ausreden auf.
Anpfiff zur zweiten Halbzeit.
Man wankelmutet irgendwo zwischen Hoffnung, Trauer und Unzufriedenheit, während die Mannschaften den Rasen in einen sportlichen Kriegsschauplatz verwandeln.

Das Spiel nimmt an Härte zu, so wie die Härte in uns, gegenüber dem Schiedsrichter, den gegnerischen Fans und sogar der eigenen Mannschaft.
Ein Pass unseres Mittelfeldrentners auf den Stürmer und der ist durch, schießt den Ball ins Tor und jubelt, so wie 2000 Wuppertaler mit ihm.
So laut, dass keiner den Abseitspfiff des Schiedsrichters hören konnte.
Freude. Erkenntnis. Enttäuschung. Feindseligkeit.
Was folgt ist ein gellendes Pfeifkonzert und ich stimme in den
„Fußball-Mafia-DFB“-Rufen ein.

15 Minuten noch zu spielen und plötzlich fällt ein Tor für uns … aus dem Nichts.
Eine uninspirierte Flanke unseres Rechtsaußen prallt gegen das Schienenbein eines gegnerischen Verteidigers und wird ins Tor abgefälscht.
Jubel! Tim und ich reißen die Hände in die Luft, fallen uns in die Arme und hüpfen aufgeregt, wie tanzende Kinder.
Ein Augenblick reinen Glückes, der erwachsene Männer zu kreischenden Derwischen macht.
Ein Trockenorgasmus, der dich all deine Sorgen vergessen lässt.
Den Scheißjob, oder das Fehlen desselbigen.
Die kranke Mutter.
Die nörgelnde Frau.
Die beschissenen Schulnoten.
All das ist einen Augenblick lang unwichtig.
Was zählt ist der Ausgleich.
Es folgen 15 Minuten bangen.
Die eigene Mannschaft drängt auf das Führungstor, doch immer ist der Fuß eines Verteidigers, ein Pfosten oder ein Torwart im Weg.
Langsam wir die Zeit knapp, doch dann, in der Nachspielzeit passiert es:
unser Stürmer kommt in gegnerischen Sechszehner zu Fall.
Ein Pfiff. Alle Blicke richten sich auf den Schiedsrichter, der auf den Elfmeterpunkt zeigt.
Wieder Jubel, diesmal verhaltener, angespannter.
Hoffnung.
Der gefoulte Stürmer krallt sich den Ball.
Ein Raunen geht durch die Reihen.
Der gefoulte sollte niemals selbst schießen …
Er legt sich den Ball auf den Punkt, geht ein paar Schritte nach hinten und starrt auf das Leder.
Trippelnden Schrittes nimmt er Anlauf und versenkt die Kugel rechts unten ins Tor.
Das Publikum ist nicht mehr zu halten und es rollt eine Jubelwelle über die Tribüne, in der die Fans im Freudentaumel gar nicht bemerken, dass der Schiedsrichter das Spiel beendet hat.
Die Spieler lassen sich feiern und so langsam lichten sich die Ränge.
Auch wir machen uns auf dem Weg.
Im Gesicht ein Grinsen, dass wir den ganzen Tag mit uns tragen werden.
Einen ganzen Heimspiel-Samstag.